Zum Auftakt der Weltwasserwoche 2025 weist ein gemeinsamer Bericht der Weltgesundheitsorganisation WHO und des Kinderhilfswerks UNICEF auf anhaltend gravierende Lücken beim Zugang zu Wasser-, Sanitär- und Hygienediensten hin. Trotz Fortschritten im vergangenen Jahrzehnt fehlten Milliarden Menschen weiterhin grundlegende Angebote; besonders verletzliche Gemeinschaften würden «weiterhin zurückbleiben», so die Mitteilung der UNICEF Schweiz und Liechtenstein. Weltweit habe «1 von 4 Menschen – oder 2,1 Milliarden» keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser, 106 Millionen davon seien auf unbehandelte Oberflächengewässer angewiesen. 3,4 Milliarden verfügten nicht über sichere Sanitärversorgung, darunter 354 Millionen Menschen, die ihre Notdurft im Freien verrichten müssen. Weitere 1,7 Milliarden hätten zuhause keinen Zugang zu grundlegenden Hygienediensten, 611 Millionen davon gänzlich ohne Einrichtungen. Die Ungleichheiten seien ausgeprägt: In den am wenigsten entwickelten Ländern sei fehlender Zugang zu Wasser und Sanitär mehr als doppelt so wahrscheinlich, fehlende Hygiene mehr als dreimal so wahrscheinlich wie in anderen Staaten. In fragilen Kontexten liege die Abdeckung mit sicherem Trinkwasser um 38 Prozent niedriger. Während ländliche Gebiete seit 2015 Fortschritte verzeichneten – sicher verwaltetes Trinkwasser stieg von 50 auf 60 Prozent, grundlegende Hygiene von 52 auf 71 Prozent –, stagniere die Versorgung in den Städten.
Der Bericht beleuchtet zudem geschlechterspezifische Belastungen. Daten aus 70 Ländern zeigen, dass die meisten Frauen und Mädchen im Jugendalter zwar Menstruationsmaterialien und einen privaten Ort zum Wechseln haben, jedoch oft nicht ausreichend Material, um sich so häufig zu wechseln wie nötig. Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren nähmen während der Menstruation seltener an Schule, Arbeit oder Freizeit teil. In vielen Ländern seien Frauen und Mädchen weiterhin hauptverantwortlich für die Wasserbeschaffung; in Subsahara-Afrika sowie in Zentral- und Südasien benötigten viele dafür mehr als 30 Minuten täglich.
Führende Stimmen aus den Organisationen mahnen zu schnellerem Handeln. «Wenn Kinder keinen Zugang zu sauberem Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene haben, sind ihre Gesundheit, ihre Bildung und ihre Zukunft gefährdet», sagt Cecilia Scharp, UNICEF-Direktorin für WASH. Besonders gravierend seien die Ungleichheiten für Mädchen; in dem aktuellen Tempo rücke das Versprechen von sicherem Wasser «für jedes Kind in immer weitere Ferne». «Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene sind keine Privilegien, sondern grundlegende Menschenrechte», betont Dr. Ruediger Krech von der WHO; um die Nachhaltigkeitsziele zu erreichen, müssten die Anstrengungen – insbesondere für marginalisierte Gemeinschaften – beschleunigt werden.
Mit Blick auf die verbleibenden fünf Jahre bis 2030 fordert der Bericht eine deutliche Beschleunigung, um offene Defäkation zu beenden und universellen Zugang zu Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene herzustellen. Die vollständige Abdeckung mit sicher verwalteten Diensten erscheine allerdings zunehmend ausser Reichweite. Der Bericht «Fortschritte bei Trinkwasser und sanitären Einrichtungen in Haushalten 2000–2024: Schwerpunkt Ungleichheiten» wird an der Weltwasserwoche (24.–28. August 2025) vorgestellt, deren Schwerpunktthema «Water for Climate Action» die zentrale Rolle von Wasser für Emissionsreduktion und Resilienz hervorhebt, so die Mitteilung der UNICEF Schweiz und Liechtenstein.
