In der Schweiz sind 1,45 Millionen Menschen von Armut betroffen oder bedroht. Das entspricht über 16 Prozent der Bevölkerung. Zu diesem Ergebnis kommt das Bundesamt für Statistik in seinen neuesten Zahlen, die am 16. Februar veröffentlicht wurden. Caritas Schweiz zeigt sich angesichts dieser Entwicklung besorgt – insbesondere mit Blick auf Familien und Kinder.
Konkret lebten im Jahr 2024 8,4 Prozent der Bevölkerung unter der vom Bund festgelegten Armutsgrenze. Das sind 743’000 Personen. Die Zahl der von Armut betroffenen Menschen bleibe seit Jahren auf hohem Niveau stabil, heisst es in der Mitteilung von Caritas Schweiz. Der Anteil der sogenannten Armutsgefährdeten – also jener Personen, die entweder bereits von Armut betroffen oder davon bedroht sind – liegt gemäss Bundesamt für Statistik bei 16,4 Prozent. Damit sei dieser Wert leicht höher als im Vorjahr und «der höchste Wert seit 2014».
«Eine Trendwende ist nicht in Sicht. Das Problem der Armut ist in unserem Land chronisch geworden», betont Aline Masé, Leiterin des Bereichs Grundlagen und Politik von Caritas Schweiz. Besonders alarmierend sei die Situation von Kindern: Jedes fünfte Kind ist von Armut betroffen oder bedroht. Das Bundesamt für Statistik legt in der aktuellen Auswertung einen Schwerpunkt auf die Lebenssituation von Kindern. Dabei zeige sich deutlich, dass «Kinder aus armutsbetroffenen Haushalten […] auf viel verzichten» müssten, etwa auf Ferien oder bezahlte Freizeitaktivitäten, so Masé weiter.
Auffällig ist, dass viele dieser Kinder in Haushalten leben, die trotz Erwerbseinkommen als arm gelten oder armutsgefährdet sind. Fast ein Drittel der Alleinerziehenden und ihre Kinder sind gemäss Mitteilung armutsgefährdet. Erwerbsarbeit allein schützt demnach nicht zwingend vor finanzieller Not.
Die angespannte Lage widerspiegle sich auch in den Angeboten von Caritas Schweiz. So seien in den Caritas-Märkten im Jahr 2025 noch nie so viele Einkäufe getätigt worden wie bisher. Auch die Beratungsangebote der regionalen Caritas-Organisationen seien seit Jahren stark ausgelastet; mancherorts steige die Nachfrage weiter an, insbesondere bei Schuldenberatungen, so die Mitteilung.
Obwohl sich die Zahlen auf das Jahr 2024 beziehen, sieht Caritas Schweiz keine Anzeichen für eine Entspannung. Im Gegenteil: «Die aktuellen Entwicklungen geben keine Hinweise darauf, dass sich die Lage für ärmere Haushalte entspannt», erklärt Aline Masé. Steigende Lebenshaltungskosten belasteten Haushalte mit tiefen Einkommen überproportional, da sie praktisch ihr gesamtes Bruttoeinkommen für Fixkosten und Grundbedürfnisse aufwenden müssten. Besonders ins Gewicht fielen höhere Krankenkassenprämien und sehr hohe Mieten. Auch geplante Erhöhungen der Mehrwertsteuer würden Haushalte mit tiefen Einkommen besonders treffen.
Caritas Schweiz verweist in diesem Zusammenhang auf ihre neue Webplattform «Armut in der Schweiz», die einen umfassenden Überblick über die aktuelle Situation bietet. Die Organisation fordert politische Massnahmen, um insbesondere Familien und Kinder wirksam zu entlasten.
