Artenvielfalt in europäischen Gewässern stagniert

14. Aug 2023

Die biologische Vielfalt ist in Flusssystemen seit 1968 deutlich angestiegen. Dieser positive Trend stagniert jedoch seit 2010, hat eine aktuelle Studie ergeben. Verschmutzung, Klimawandel und invasive Arten sind demnach weiter ein Thema.

Als Reaktion auf den schlechten Gewässerzustand wurden Mitte des letzten Jahrhunderts Gegemassnahmen zur Wiederherstellung von Süsswasserlebensräumen ergriffen. Der flächendeckende Einbau von Kläranlagen hat laut einer aktuellen Studie zu einem deutlichen Rückgang der organischen Verschmutzung seit den 1980er Jahren geführt, so das Wasserforschungsinstitut der ETH Zürich in einer Medienmitteilung.

In den letzten 50 Jahren hätten diese Schritte zur Eindämmung der Abwasserbelastung und so zu den aufgezeigten Verbesserungen der biologischen Vielfalt im Süsswasser beigetragen, so die Mitteilung weiter. Dennoch nähmen die Anzahl und die Auswirkungen der Stressfaktoren, welche diese Ökosysteme bedrohen, weltweit weiter zu, und die biologische Qualität der Flüsse sei nach wie vor vielerorts unzureichend.

Während die Zunahme der biologischen Vielfalt in den 1990er und 2000er Jahren wahrscheinlich die Wirksamkeit von Wasserqualitätsverbesserungen und Renaturierungsprojekten widerspiegele, deute laut Studie die sich anschliessende stagnierende Entwicklung auf eine Erschöpfung der bisherigen Massnahmen hin.

Laut den Studienergebnissen erholten sich Süsswassergemeinschaften vor allem flussabwärts von Staudämmen, städtischen Gebieten und im Einflussgebiet von Ackerland weniger schnell. Die Fauna an Standorten mit schnellerer Erwärmung verzeichneten zudem geringere Zuwächse in der Artenvielfalt, der Häufigkeit der Individuen und der funktionellen Diversität.

Das Forschungsteam empfiehlt unter anderem, die Einträge von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln aus landwirtschaftlichen Flächen zu reduzieren und grossräumige Auen- und Überschwemmungsbereiche zu schaffen – was auch eine Anpassung der Flusssysteme an künftige klimatische und hydrologische Bedingungen darstelle.

Künftig sollte zudem die Überwachung der biologischen Vielfalt in Verbindung mit der parallelen Erhebung von Umweltdaten erfolgen, so die Forschenden weiter. Nur so könnten die zeitlichen Veränderungen innerhalb der Artenvielfalt wirksam beschrieben, umweltbedingte Faktoren und stark gefährdete Gebiete ermittelt und den Schutz der biologischen Vielfalt maximiert werden.