Die Berner Fachhochschule (BFH) hat im Herbstsemester 2026/27 im Bachelor Soziale Arbeit das Blockmodul «Religionssensible Soziale Arbeit im kirchlichen Kontext» durchgeführt. Das deutschsprachige Wahlpflichtmodul umfasste drei ECTS und fand vom 31. August bis 11. September statt. Es behandelte Religionssensibilität als Bestandteil professioneller Identität und fragte danach, welche Rolle Religion im Alltag von Klientinnen und Klienten spielen kann.
Nach dem Modulprogramm wurde Religion dabei weder nur als Ressource noch nur als Konfliktfaktor betrachtet. Sie kann Menschen Orientierung und Deutungsmöglichkeiten geben, zugleich aber Spannungen in Beratung und Begleitung beeinflussen. Für die kirchliche Soziale Arbeit ist diese Perspektive besonders relevant, weil sie sich im Spannungsfeld von Religion, professionellen Standards und Sozialstaat bewegt.
Das Programm verband wissenschaftliche Grundlagen mit Praxisbegegnungen und Fallanalysen. Themen waren unter anderem Religion und Religiosität als mögliches Tabuthema der Sozialen Arbeit, religiöse Wirklichkeiten im Gesundheitswesen, das Verhältnis von Religion und Staat sowie die Professionsgeschichte religiöser und säkularer Sozialer Arbeit. Hinzu kamen katholische Sozialarbeit, interreligiöse Begleitung und sozialdiakonische Arbeit in der reformierten Kirche.
Mehrere Einheiten befassten sich zudem mit Machtfragen, professionellen Standards und Kooperationsformen. Am Beispiel öffentlicher, privater und kirchlicher Trägerschaften wurde untersucht, wie Zusammenarbeit in einer pluralen Gesellschaft gestaltet werden kann. Simon Hofstetter wirkte als externer Lehrender unter anderem zu kirchlicher Sozialarbeit, Sozialdiakonie und Kooperationen mit.
Auch der Kompetenznachweis griff die persönliche Dimension auf. Die Studentinnen und Studenten sollten nicht nur eine sozialarbeiterische Fragestellung bearbeiten, sondern in einem eigenen Essay Aspekte ihrer religiösen Sozialisation beziehungsweise ihrer Haltung zu Religion reflektieren und diese mit der professionellen Rolle verbinden. Religionssensibilität wird damit nicht als Religionskunde verstanden, sondern als Fähigkeit, eigene Prägungen und die Lebenswelten anderer professionell einzuordnen.
Öffentliche BFH-Materialien zu Religion in der Sozialen Arbeit weisen bereits darauf hin, dass religiöse und spirituelle Themen in Beratungssituationen eine Rolle spielen können, zugleich aber häufig mit Unsicherheit verbunden sind. Das Blockmodul übersetzt diese Fragestellung in die Hochschulausbildung und verbindet sie mit konkreten Feldern der Sozialdiakonie und Sozialen Arbeit.
