Die Religionszugehörigkeit entsteht häufig im familiären Umfeld: «Die Religionszugehörigkeit sowie religiöse Praktiken und Glaubensformen sind Teil eines Sozialisationsprozesses, in dem die Familie eine entscheidende Rolle spielt», hält das Bundesamt für Statistik (BFS) in einer Auswertung der Erhebung zur Sprache, Religion und Kultur (ESRK) 2024 fest. In der Schweiz hatten 2024 insgesamt 72% der ständigen Wohnbevölkerung ab 15 Jahren dieselbe Religionszugehörigkeit wie mindestens ein Elternteil. Betrachtet man nur Personen, die einer Religion angehören, liegt der Anteil bei 92%. Bei Menschen ohne Religion ist die Übereinstimmung hingegen deutlich geringer: «Etwas weniger als ein Drittel der Personen, die sich als keiner Religion zugehörig bezeichnen, haben mindestens einen Elternteil ohne Religionszugehörigkeit (31%).» Daraus leitet das BFS ab, dass sich viele Personen im Verlauf ihres Lebens von der Religion abgewandt haben.
Je nach Religionsgemeinschaft unterscheidet sich die familiäre Weitergabe stark. Am häufigsten übernehmen Nachkommen die Religionszugehörigkeit ihrer Eltern in römisch-katholischen, evangelisch-reformierten sowie islamischen (oder aus dem Islam hervorgegangenen) Gemeinschaften; deutlich seltener ist dies gemäss BFS in anderen christlichen Gemeinschaften und in anderen Religionen. Zudem zeigt sich ein Generationeneffekt: Eltern von älteren Personen haben häufiger dieselbe Religionszugehörigkeit, während dieser Anteil bei jüngeren Altersgruppen sinkt. Gleichzeitig hat die Säkularisierung zugenommen: Der Anteil der Eltern ohne Religionszugehörigkeit ist seit 2014 gestiegen – bei Müttern von 5% auf 10%, bei Vätern von 6% auf 13%, so die Mitteilung.
Auch religiöse Praktiken hängen laut BFS eng mit der Kindheit zusammen. Wer als Kind häufig Gottesdienste besuchte, nimmt auch als erwachsene Person eher noch gelegentlich teil; umgekehrt bleibt der Gottesdienstbesuch bei jenen selten, die schon in der Kindheit kaum hingingen. Auffällig ist zudem, dass Personen, deren aktuelle Religionszugehörigkeit nicht jener ihrer Eltern entspricht, ihre Religion tendenziell regelmässiger praktizieren als Personen, die die Religion der Eltern übernommen haben.
Für Familien mit Kindern unter 15 Jahren zeigt die ESRK 2024 gemäss BFS ein ambivalentes Bild. Einerseits wird Religion (oder Nicht-Zugehörigkeit) meist weitergegeben: «Fast alle Eltern (92%) haben ihre Religionszugehörigkeit an ihre Kinder unter 15 Jahren weitergegeben.» Andererseits spielt Religion oder Spiritualität in der Erziehung für viele Eltern keine zentrale Rolle: «45% der Eltern sind der Meinung, dass Religion oder Spiritualität eine (eher oder sehr) wichtige Rolle in der Erziehung ihrer Kinder spielt.» Noch deutlicher wird dies beim Blick auf konkrete Erziehungswünsche: «Nur 18% der Eltern möchten ihre Kinder nach den Grundsätzen ihrer Religion erziehen.» Insgesamt deutet die BFS-Auswertung darauf hin, dass familiäre Prägung weiterhin wichtig bleibt, religiöse Bindungen jedoch über den Lebensverlauf häufiger gelockert werden – und dass die wachsende Zahl konfessionsloser Eltern diese Entwicklung zusätzlich verstärkt.
