BFS zeigt Trend zum Privaten: Festivals boomen, klassische Kulturbesuche sinken

17. Nov. 2025

Kulturbesuche gehen zurück, Festivals legen zu. Junge treiben digitale und kreative Hobbys voran; 79% wünschen mehr Kultur, es fehlt an Zeit und Geld.

Das Bundesamt für Statistik (BFS) zeichnet erstmals ein umfassendes Bild des Kultur- und Freizeitverhaltens nach der Pandemie. Die Bilanz: Besuche klassischer Kultureinrichtungen gingen zurück, während individuelle und digitale Aktivitäten an Schwung gewannen. «Digitale Hobbys gewinnen weiter an Fahrt, aber nicht die Oberhand», heisst es in der Medienmitteilung. Zudem gelte: «Nahezu 80% der Bevölkerung würden gerne mehr Kulturbesuche unternehmen, sehen sich jedoch vor allem durch Zeit- und Geldmangel eingeschränkt.»

Gegenüber 2019 nahmen die Anteile der Besucherinnen und Besucher von Museen und Ausstellungen sowie Tanz- beziehungsweise Ballettaufführungen um je sechs Prozentpunkte ab; Konzert- und Kinobesuche sanken um sieben Punkte. Stabil blieben Denkmäler und historische Stätten sowie Bibliotheken.

Eine klare Ausnahme bildet die Festival‑Landschaft. «Die grosse Ausnahme sind Festivals, deren Erfolg auch nach der Pandemie nicht abreisst: Der Anteil der Festivalbesuchenden stieg von 38% im Jahr 2014 auf 47% im Jahr 2019 und erreichte 2024 gar 52%.» Besonders gefragt waren Stadtfestivals mit mehreren Sparten (30%), gefolgt von Rock‑ und Popmusikfestivals (28%). Eine Museumsnacht besuchte ein Viertel der Bevölkerung.

Im Amateurbereich legten Kreativhobbys deutlich zu: 33% fotografierten 2024 als Hobby, 27% zeichneten oder malten, 15% töpferten, 14% tanzten – letzteres vor allem in der Altersgruppe der 15‑ bis 29‑Jährigen. In der Mediennutzung verschieben sich die Gewohnheiten: 50% sahen Filme kostenpflichtig via Video‑on‑Demand (VoD), 66% nutzten kostenlose Internetangebote; dennoch gingen 60% weiterhin ins Kino. Beim Musikhören bleibt das Radio mit 81% meistgenutzter Kanal, während 47% zahlungspflichtiges Streaming verwenden.

Bei den Freizeitaktivitäten ausserhalb der eigenen vier Wände zeigt sich ein Dämpfer: Treffen im Freundeskreis, Wandern und Sport bleiben zwar auf hohem Niveau, doch grosse Stadtfeste verzeichneten ein Minus von sieben Prozentpunkten, Dorf‑, Quartier‑ und Vereinsfeste von acht und traditionelle Feste von elf Punkten; Nachtclubs verloren seit 2014 rund ein Fünftel ihres Publikums. Betroffen sind besonders die 15‑ bis 29‑Jährigen.

Gleichzeitig ist die Lust auf Kultur ungebrochen: Insgesamt äussern 79% den Wunsch nach mehr Ausgängen – insbesondere ins Kino, das 62% insgesamt (bei den 15‑ bis 29‑Jährigen 75%) häufiger besuchen möchten; ebenso besteht Zusatzbedarf bei Aufführungen der darstellenden Künste sowie bei Museen, Ausstellungen und Denkmälern. Als Haupthindernisse nennen die Befragten Zeitmangel (50%) und unzureichende finanzielle Mittel (29%); hinzu kommen fehlende Ausgeh‑Lust (18%) und zu grosse Distanzen zum Angebot (16%).

Die Resultate beruhen auf der Erhebung zur Sprache, Religion und Kultur (ESRK) 2024. Zwischen August und Oktober wurden 14 361 Personen ab 15 Jahren befragt; seit 2024 wird die ESRK als Mixed‑Mode‑Befragung mit überarbeitetem Fragebogen durchgeführt, was Vergleiche über die Zeit erschwert.