Ein neu gegründetes Bündnis aus Sozialorganisationen und Unternehmen fordert in Österreich mehr gesellschaftliche Teilhabe für Menschen mit Behinderungen und eine langfristig gesicherte Finanzierung beruflicher Inklusion. Wie die Evangelische Kirche in Österreich berichtet, haben die österreichische Diakonie, die Caritas Österreich, die Lebenshilfe Österreich sowie weitere Organisationen gemeinsam mit Unternehmen ihre Forderungen an Bundesregierung und Landesregierungen präsentiert. Die Übergabe erfolgte am 5. Mai, dem Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen.
Das neue österreichweite „Bündnis für Inklusion am Arbeitsmarkt – Chancenreich“ verlangt unter anderem eine stabile Finanzierung von Angeboten zur beruflichen Inklusion sowie die langfristige Absicherung des sogenannten Ausgleichstaxfonds. Dieser gilt als zentrales Instrument zur Finanzierung beruflicher Assistenz und anderer Unterstützungsangebote. Zudem fordert das Bündnis gleiche Chancen für Menschen mit höherem Unterstützungsbedarf. Berufliche Inklusion müsse zur Selbstverständlichkeit werden, so die Mitteilung.
Nach Angaben der österreichischen Diakonie sind Menschen mit Behinderungen am Arbeitsmarkt weiterhin deutlich benachteiligt. Ihre Arbeitslosenquote liege über dem Durchschnitt, gleichzeitig seien ihre Beschäftigungschancen geringer. Aktuell seien lediglich 15 Prozent der Menschen mit Behinderungen in Österreich erwerbstätig. Besonders schwierig sei häufig der Übergang aus Schule oder Tagesstruktur in reguläre Beschäftigung. Ohne gezielte Begleitung gelinge dieser Schritt vielen Betroffenen nicht, so die Meldung.
Andreas Jesse, Vorstand des Dachverbands Berufliche Inklusion-Austria („dabei-austria“), bezeichnete einen inklusiven Arbeitsmarkt als „volkswirtschaftliche Notwendigkeit“. Statt Sonderstrukturen brauche es reguläre Beschäftigung. Bestehende Programme und arbeitsmarktpolitische Projekte zeigten laut Jesse, „mit gezielter Unterstützung gelingt Teilhabe am ersten Arbeitsmarkt – im Interesse von Menschen, Wirtschaft und Gesellschaft“.
Auch Philippe Narval, Generalsekretär der Lebenshilfe Österreich und Mitinitiator des Bündnisses, hob die Bedeutung entsprechender Investitionen hervor. „Jeder in berufliche Teilhabe und inklusive Berufsbildung investierte Euro schafft Chancen“, sagte Narval gemäss Mitteilung. Investitionen stärkten zudem Selbstbestimmung sowie Wirtschaft und Gesellschaft nachhaltig.
Die Caritas Österreich verwies auf anhaltende strukturelle Benachteiligungen. Generalsekretärin Anna Parr erklärte, Österreich sei „von einem inklusiven Arbeitsmarkt noch ein gutes Stück entfernt“. Menschen mit Behinderungen seien weiterhin deutlich häufiger arbeitslos und stärker armutsgefährdet. Laut Statistik Austria seien 21,5 Prozent armutsgefährdet. Der Ausbau inklusiver Strukturen stagniere seit Jahren, kritisierte Parr.
Neben einer gesicherten Finanzierung fordert das Bündnis auch einen stärkeren politischen Fokus auf inklusive Bildung und Berufsausbildung. Fehlende Ressourcen, unzureichende Schulassistenz und Ausgrenzung erschwerten vielen jungen Menschen mit Behinderungen den späteren Einstieg ins Berufsleben. Zudem kritisieren die Organisationen, dass Angebote zur beruflichen Inklusion für Menschen mit höherem Unterstützungsbedarf bislang nur in vier österreichischen Bundesländern vorhanden seien.
Dem Bündnis gehören neben der österreichischen Diakonie, der Caritas Österreich und der Volkshilfe auch der Dachverband Berufliche Inklusion-Austria, KOBV Österreich, ÖZIV und das Zero Project an. Unterstützt wird die Initiative zudem von Unternehmen unterschiedlicher Grössenordnungen, darunter Ikea Österreich, Interspar, die österreichische Post AG, Primark, Rewe Group und Uniqa.
