Zum Auftakt ihres Jubiläumsjahres äussert Caritas Schweiz grosse Besorgnis über die soziale Entwicklung in der Schweiz. In einer Mitteilung vom 8. Januar 2026 hält die Organisation fest, dass sich die Lage für Menschen, die von Armut betroffen oder bedroht sind, weiter verschärfen dürfte. Es gebe keinerlei Anzeichen für eine Entspannung, vielmehr zeigten sich «klare Hinweise darauf, dass unsere Gesellschaft weiter auseinanderdriftet», wie Direktor Peter Lack gemäss Mitteilung erklärt.
Die Schweiz habe es seit Jahren nicht geschafft, die Armut wirksam zu senken, was auch das erste nationale Armutsmonitoring des Bundes belege. Die Armutsproblematik sei chronisch geworden, betont Lack, und stelle die Gesellschaft vor die Aufgabe, für mehr Chancengerechtigkeit und Ausgleich zu sorgen. Laut Caritas sind rund 16 Prozent der Bevölkerung – darunter viele Familien sowie Kinder – mit stark eingeschränkten Perspektiven und dauernder Existenzsorge konfrontiert.
Als zentrale Gründe für die erwartete Verschlechterung der Situation im Jahr 2026 nennt die Organisation unter anderem weiter steigende Lebenshaltungskosten, stark zunehmende Krankenkassenprämien und den anhaltenden Druck auf dem Wohnungsmarkt. Besonders für Haushalte mit tiefen Einkommen sei es kaum mehr möglich, eine angemessene Wohnung zu finden. Gleichzeitig würden viele Ausgaben wachsen, während tiefe Löhne stagnierten oder real sogar gesunken seien.
Hinzu komme, dass die Existenzsicherung in der Sozialhilfe ungenügend ausgestaltet sei und Familien in der Schweiz vergleichsweise wenig unterstützt würden. Die Organisation weist darauf hin, dass der Lebensstandard eines Haushalts bei der Geburt eines Kindes in keinem anderen europäischen Land so stark zurückgehe. Zudem würden steuerpolitische Entwicklungen ärmere Haushalte zusätzlich belasten, während wohlhabendere Bevölkerungsgruppen entlastet würden.
Aline Masé, Leiterin des Bereichs Grundlagen und Politik, zieht daraus ein klares Fazit: «Die Ungleichheit nimmt in der Schweiz zu, für die Ärmeren wird es noch schwieriger. Das ist aus unserer Sicht eine falsche Entwicklung», so die Meldung. Caritas fordert deshalb eine stärkere Entlastung ärmerer Haushalte, etwa durch den Ausbau von Prämienverbilligungen, sowie Massnahmen zur Eindämmung der wachsenden Ungleichheit.
Parallel dazu lanciert die Organisation eine neue Webplattform zur Armut in der Schweiz, die einen verständlichen Überblick über Ursachen, Betroffene und sozialpolitische Handlungsfelder geben soll. Ziel sei es, das Wissen über Armut breiter zugänglich zu machen, erklärt Peter Lack gemäss Mitteilung.
