Deutschland: Grosse Mehrheit sieht Seelsorge als tragende Kraft in Krisenzeiten

24. Apr. 2026

Eine Umfrage zeigt: 81 Prozent der Menschen in Deutschland betrachten Seelsorge als wichtigen Halt – auch über kirchliche Bindungen hinaus.

Die Seelsorge wird in Deutschland von einer breiten Mehrheit der Bevölkerung als zentrale Stütze in schwierigen Lebenssituationen wahrgenommen. Das geht aus einer repräsentativen Online-Umfrage hervor, die die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) in Auftrag gegeben hat. Demnach sehen 81 Prozent der Befragten Seelsorge als verlässlichen Anker in Krisenzeiten.

Wie aus der Mitteilung hervorgeht, reicht die Bedeutung von Seelsorge dabei deutlich über kirchliche Milieus hinaus. „Damit reicht die Bedeutung von Seelsorge deutlich über den Kreis der Kirchenmitglieder hinaus“, wird die EKD-Ratsvorsitzende Kirsten Fehrs zitiert. Viele Menschen suchten verstärkt nach Hoffnung und Sinn, um Krisen zu bewältigen und ihr Leben aktiv zu gestalten, so die Mitteilung weiter.

Unterschiede zeigen sich zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Frauen messen der Seelsorge häufiger eine hohe Bedeutung bei als Männer. Zudem steigt mit zunehmendem Alter die Vertrautheit mit entsprechenden Angeboten. Während ältere Befragte häufig konkrete Vorstellungen von Seelsorge haben, ist dies bei jüngeren Menschen weniger ausgeprägt, so die Meldung.

Gleichzeitig weist die Umfrage auf eine hohe Bekanntheit kirchlicher Angebote hin. 84 Prozent der Befragten kennen mindestens eines der abgefragten Seelsorgeformate. Auch unter Konfessionslosen und Angehörigen anderer Religionen sind diese Angebote weit verbreitet bekannt. Besonders präsent sind Telefon- und Online-Seelsorge sowie Notfall- und Spitalseelsorge.

Seelsorge wird insbesondere in belastenden Lebenssituationen als wichtig erachtet. Dazu zählen laut Umfrage vor allem Trauer, Krankheit, psychische Belastungen sowie Einsamkeit und familiäre Krisen. Entscheidend sind für die Befragten dabei Vertraulichkeit, menschliche Nähe und ein wertfreies Zuhören.

Bischöfin Fehrs betont die grundlegende Rolle der Seelsorge für Kirche und Gesellschaft: „Seelsorge ist die Muttersprache der Kirche“, so die Mitteilung. Sie trage dazu bei, dass Menschen mit ihren Sorgen nicht allein bleiben und jemand ihre Belastungen mittrage. Gerade in unsicheren Zeiten wachse der Bedarf, da Seelsorge Orientierung und neue Perspektiven eröffne und zugleich den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärke.

Die deutsche evangelische Kirche stellt dafür ein flächendeckendes und niederschwelliges Angebot bereit. Mehr als 9’200 Pfarrerinnen und Pfarrer sind in der Gemeindeseelsorge tätig, ergänzt durch zahlreiche Fachpersonen in Spitälern, Hospizen und spezialisierten Diensten sowie durch zehntausende Freiwillige. Insgesamt investiert die Kirche jährlich rund 190 Millionen Euro in diesen Bereich, wie aus der Mitteilung hervorgeht.