Diakonie Österreich: Sorge-Arbeit als Armutsrisiko für Frauen

9. März 2026

Zum Weltfrauentag warnt die Diakonie Österreich vor den sozialen Folgen unbezahlter Pflegearbeit. Besonders Frauen tragen die Hauptlast der Betreuung von Angehörigen.

Zum Internationalen Frauentag macht die Diakonie Österreich auf die sozialen und wirtschaftlichen Folgen von unbezahlter Sorge-Arbeit aufmerksam. Frauen leisten den Grossteil der Pflege von Angehörigen – mit langfristigen Konsequenzen für Einkommen, Erwerbsbiografie und Altersvorsorge. „Sorge-Arbeit muss im Zentrum der Familien- und der Sozialpolitik stehen“, fordert Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser.

Nach Angaben der österreichischen Diakonie betreut jede sechste Frau über 18 Jahren ein Familienmitglied. Insgesamt seien rund 800 000 Menschen in Österreich in die Pflege von Angehörigen eingebunden, davon rund 73 Prozent Frauen. Besonders belastend sei, dass etwa die Hälfte der Betroffenen diese Aufgabe ohne professionelle Unterstützung übernehme. Das Pflegegeld reiche häufig nicht aus, um zusätzliche Hilfe zu finanzieren.

Die Folgen dieser Situation seien weitreichend. „Langzeitpflege für chronisch kranke Kinder und Menschen im Alter kann zur Armutsfalle für Frauen werden“, erklärt Moser. Nicht selten reduzierten Angehörige ihre Erwerbstätigkeit oder gäben sie ganz auf, um Pflegearbeit zu leisten – „und zwar jene im Haushalt mit geringerem Einkommen, und das eben meistens die Frauen“. Dadurch entstünden geringere Pensionen und ein erhöhtes Risiko von Altersarmut. Bereits heute gilt in Österreich jede fünfte Frau im Pensionsalter als armutsgefährdet; insgesamt sind es laut Mitteilung rund 570 000 Frauen.

Zusätzlichen Druck erzeugt nach Einschätzung der Diakonie Österreich die schrittweise Anhebung des gesetzlichen Pensionsalters für Frauen. Viele Frauen zwischen 40 und 60 Jahren müssten gleichzeitig berufliche Anforderungen, Kinderbetreuung und Pflege von Eltern bewältigen. „Wenn Frauen länger im Erwerbsleben bleiben sollen, gleichzeitig Angehörige pflegen und strukturell weniger verdienen, dann geht sich das irgendwann nicht mehr aus. Ohne Geschlechtergerechtigkeit wird die Langzeitpflege kippen“, warnt Moser.

Kritisch sieht die Diakonie Österreich insbesondere die zunehmende „Familiarisierung“ der Pflege. Gerade angesichts der demografischen Entwicklung dürfe Langzeitpflege nicht als private Aufgabe der Familien verstanden werden. „Langzeitpflege ist eine gesellschaftliche Herausforderung, die nach politischer Verantwortungsübernahme schreit“, so Moser gemäss Mitteilung. Neben dem Ausbau professioneller Unterstützungsangebote fordert die Organisation auch eine stärkere Beteiligung von Männern an bezahlter und unbezahlter Sorge-Arbeit.