Die Geburt der Einkommenslücke

Die Geburt der Einkommenslücke

Das erste Kind verändert fast alles. In der Erwerbsstatistik zeigt sich dieser Einschnitt jedoch besonders klar: Mutterschaft ist in der Schweiz kein kurzer Moment der Unterbrechung, sondern für viele Frauen der Beginn einer dauerhaft veränderten Einkommensbiografie. Die jüngste Auswertung des Bundesamt für Sozialversicherungen macht das in einer Nüchternheit sichtbar, die gerade deshalb so eindrücklich ist: Für Mütter mit erster Geburt zwischen 2013 und 2015 liegt der durchschnittliche Einkommensrückgang fünf Jahre nach der Geburt gegenüber dem Jahr davor bei rund 40 Prozent. Das ist kein Randphänomen, sondern ein struktureller Bruch mitten in der Erwerbsbiografie

Auffällig ist dabei, dass dieser Rückgang nicht vor allem daher rührt, dass Mütter massenhaft ganz aus dem Arbeitsmarkt verschwinden. Rund ein Zehntel tut das nach der ersten Geburt, aber auch unter jenen, die erwerbstätig bleiben, sinkt das Einkommen deutlich. Der zentrale Mechanismus ist deshalb nicht der totale Rückzug, sondern die massive Verschiebung in kleinere Pensen. Genau darin liegt die soziale und politische Brisanz des Befunds: Mehr Erwerbsbeteiligung allein bedeutet noch keine ökonomische Gleichstellung. Wer zwar im Arbeitsmarkt bleibt, aber nur noch in einem deutlich kleineren Umfang, verliert Einkommen, Karrieredynamik und später oft auch soziale Absicherung.

Diese Diagnose passt zu einem Muster, das in der Schweiz seit Jahren sichtbar ist. Frauen mit Kindern arbeiten deutlich häufiger Teilzeit als Frauen ohne Kinder. Der Unterschied ist nicht marginal, sondern Ausdruck einer Arbeits- und Betreuungsordnung, in der Erwerbs- und Sorgearbeit nach der Geburt neu verteilt werden und sich diese neue Verteilung dann verfestigt. Was statistisch wie eine Serie individueller Entscheidungen erscheint, ist in der Praxis oft das Resultat aus Betreuungskosten, Arbeitszeitkulturen, Öffnungszeiten von Einrichtungen, steuerlichen Fehlanreizen, betrieblichen Erwartungen und fortwirkenden Geschlechternormen. Darum ist das Thema niedrige Einkommen nach Mutterschaft kein Spezialproblem einzelner Haushalte, sondern ein Kernstück der Gender-Gap-Debatte.

Aus einem Knick wird ein langes Muster

Die ältere Schweizer Evidenz zeigt, dass dieser Einkommensbruch kein kurzfristiger Ausschlag ist. Schon die frühere BSV-Studie zur wirtschaftlichen Situation von Familien hielt fest, dass ein Jahr nach der ersten Geburt 76 Prozent der Mütter ihr Einkommen um mindestens einen Viertel reduzieren. Bei jeder zweiten Mutter sinkt es sogar um mehr als die Hälfte, und jede vierte gibt die Erwerbsarbeit ganz auf oder fährt sie auf einen sehr kleinen Rest zurück. Väter reduzieren ihr Einkommen demgegenüber weit seltener und deutlich schwächer. In der Bilanz entsteht so keine vorübergehende Delle, sondern eine neue Einkommensordnung im Haushalt.

Besonders aufschlussreich ist, was danach geschieht. Für die zwischen 1987 und 2000 erstmals Mutter gewordenen Frauen zeigt die Schweizer Forschung längerfristige Einkommenseinbussen von rund zwei Dritteln gegenüber Vätern. Die neuere BSV-Auswertung misst methodisch etwas anderes und kommt deshalb auf tiefere Werte, aber beide Befunde weisen in dieselbe Richtung: Auch jüngere Kohorten entkommen dem Muster nicht. Es gibt zwar Fortschritte bei der Erwerbsbeteiligung. So hat sich der Anteil der Mütter, die ein Jahr nach der Geburt des ersten Kindes erwerbstätig sind, über die Kohorten hinweg stark erhöht. Doch zehn Jahre nach der Geburt liegen die Einkommen jüngerer Mütter dennoch nur wenig über jenen älterer Generationen. Mehr Erwerbsbeteiligung heisst also häufig nicht mehr Einkommen, sondern vor allem mehr Teilzeit.

Das ist für die Gleichstellungsdebatte zentral. Denn der klassische Blick auf Erwerbsquoten kann leicht den Eindruck erzeugen, das Problem löse sich schrittweise. Tatsächlich hat sich eher die Form des Problems verändert als seine soziale Wirkung. Der Einkommensverlust nach Mutterschaft ist heute etwas weniger mit Nichterwerbstätigkeit verbunden als früher, aber weiterhin stark mit reduzierten Arbeitszeiten. Das Resultat bleibt ähnlich: niedrigere Jahreseinkommen, geringere ökonomische Eigenständigkeit und eine grössere Verwundbarkeit, falls Partnerschaft, Gesundheit oder Erwerbsbedingungen sich ändern.

Hinzu kommt, dass die Weichen meist schon beim ersten Kind gestellt werden. Das zeigt auch die neue BSV-Analyse. Mütter mit später einem, zwei oder drei Kindern erleben nach der ersten Geburt einen ähnlich starken Rückgang. Bei mehreren Kindern sinkt das Einkommen mit späteren Geburten kaum noch einmal im selben Ausmass, weil die grundlegende Erwerbskonstellation bereits nach dem ersten Kind etabliert ist. Die erste Geburt ist damit nicht nur ein biografischer Einschnitt, sondern der entscheidende institutionelle Moment, in dem sich spätere Einkommensverläufe verfestigen.

Wenn weniger Einkommen später weniger Absicherung bedeutet

Die materielle Bedeutung dieses Einkommensknicks zeigt sich besonders deutlich dort, wo Erwerbseinkommen direkt in Sozialleistungen übersetzt wird. In der Schweiz ist der Anspruch auf Leistungen der Erwerbsersatzordnung an die Erwerbstätigkeit und an die Höhe des vorgeburtlichen Einkommens gebunden. Wer nach dem ersten Kind das Pensum reduziert, trägt diesen Entscheid daher unmittelbar in spätere Leistungen hinein. Für Mütter mit Erstgeburt zwischen 2013 und 2015 zeigt die BSV-Auswertung, dass bei der ersten Geburt 89 Prozent Anspruch auf Mutterschaftsentschädigung hatten, bei der zweiten noch 80 Prozent und bei der dritten 72 Prozent. Noch deutlicher wird die Logik bei der Höhe der Entschädigung: Zwischen erster und zweiter Geburt sinkt das durchschnittliche EO-Taggeld um rund 30 Prozent. Mutterschaft kostet damit nicht nur Einkommen im Alltag, sondern verschiebt auch den Schutz durch die Sozialversicherung nach unten.

Die methodische Basis dieser Zahlen ist stark, aber nicht grenzenlos. Das BSV verknüpft dafür Bevölkerungsregister, AHV-Konten und EO-Register. Reine Selbstständige wurden ausgeschlossen, weil ihre Einkommen erst Jahre später zuverlässig erfasst sind, und Ansprüche aus Erwerbstätigkeit im Ausland lassen sich nicht sauber prüfen. Das ändert nichts an der Kernaussage, verlangt aber Nüchternheit bei der Interpretation einzelner Niveaus. Die Zahlen zeigen robuste Trends, keine mathematische Perfektion. Gerade weil sie auf administrativen Registern beruhen, sind sie für die Richtung der Entwicklung ausgesprochen aussagekräftig.

Die lange Frist reicht noch weiter. Geringere Einkommen nach Mutterschaft schlagen sich in der Altersvorsorge nieder. Schon der Bericht des Bundesrates zum gesamten geschlechtsspezifischen Erwerbseinkommensunterschied zeigte, wie hartnäckig die strukturellen Unterschiede in der Schweiz bleiben. Der Gender Overall Earnings Gap lag 2014 bei 44,9 Prozent, 2016 bei 43,3 Prozent und 2018 noch immer bei 43,2 Prozent. Der Stundenlohnabstand bewegte sich zwischen 2012 und 2018 in einer erstaunlich schmalen Bandbreite um 18 bis 19 Prozent. Beim Pension Gap zeigte sich 2020 eine Rentenlücke von 34,6 Prozent, und auch laut der neueren BSV-Darstellung lagen die Altersrenten von Frauen 2023 noch rund 30 Prozent unter jenen der Männer. Das Bundesamt für Statistik dokumentiert damit über mehrere Indikatoren hinweg vor allem eines: Verbesserung ja, Durchbruch nein.

Gerade in der zweiten Säule wird dieser Mechanismus sichtbar. Dort treffen Teilzeit, tiefere Jahreslöhne, Erwerbsunterbrüche und Eintrittsschwellen zusammen. Was in der Familienphase als pragmatische Lösung erscheint, wird im Alter zur strukturellen Lücke. Für Mütter mit kleinem oder unterbrochenem Erwerbseinkommen heisst das: weniger laufendes Einkommen während der Kinderjahre, geringere Entschädigungsansprüche bei weiteren Geburten und am Ende eine schwächere Vorsorge. Die viel diskutierte Gender Gap im Stundenlohn ist deshalb nur ein Ausschnitt. Wer verstehen will, weshalb Einkommen nach Mutterschaft dauerhaft niedrig bleiben, muss Jahresverdienste, Erwerbsumfänge und Vorsorge gemeinsam betrachten.

Der Vergleich mit Deutschland, Österreich und Frankreich

Im Vergleich mit Deutschland und Österreich wirkt die Schweiz keineswegs als Sonderfall, eher als Teil eines deutschsprachigen Musters. In der vergleichenden Child-Penalty-Forschung lagen die langfristigen Erwerbseinkommensverluste von Müttern nach der ersten Geburt in Deutschland bei 61 Prozent und in Österreich bei 51 Prozent. Für die Schweiz verweisen neuere Studien je nach Methode ebenfalls auf sehr hohe langfristige Einbussen. Die Gemeinsamkeit dieser Länder ist nicht nur der Einkommensverlust selbst, sondern die Art, wie er entsteht: durch den dauerhaften Umbau weiblicher Erwerbsarbeit in Richtung Teilzeit, durch längere oder wiederkehrende Erwerbsunterbrüche und durch eine soziale Norm, die Vollzeit-Vaterschaft ökonomisch belohnt und Muttererwerbstätigkeit flexibel, aber begrenzt hält.

Deutschland zeigt dabei ein aufschlussreiches Doppelbild. Einerseits ist Bewegung erkennbar: Der unbereinigte Gender Pay Gap sank von 22 Prozent im Jahr 2014 auf 16 Prozent im Jahr 2024, der umfassendere arbeitsmarktbezogene Gender Gap von 45 auf 37 Prozent. Andererseits bleibt die Müttererwerbstätigkeit stark von Teilzeit geprägt. 2024 arbeiteten 66,1 Prozent der beschäftigten Frauen mit Kindern in Deutschland Teilzeit. Die Forschung des Destatis und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zeigt zudem, dass Reformen wie das Elterngeld zwar mittelfristig Verbesserungen bringen können, die durchschnittliche Child Penalty aber nur begrenzt schrumpft. Die deutsche Entwicklung ist damit lehrreich: Die Stundenlohnlücke wird kleiner, aber die Einkommenslücke nach Elternschaft bleibt gross, weil Arbeitszeiten und Erwerbsverläufe weiter stark geschlechtsspezifisch organisiert sind.

Österreich ist in dieser Hinsicht noch deutlicher. Der Gender Pay Gap im privaten Sektor sank dort von 22,2 Prozent im Jahr 2014 auf 17,6 Prozent im Jahr 2024. Gleichzeitig stieg der Frauenanteil in Teilzeit von 46,9 auf 51,1 Prozent. Bei Frauen mit Kindern ist Teilzeitarbeit besonders verbreitet: Nach den jüngsten europäischen Zahlen arbeiteten 2024 sogar 70,5 Prozent der beschäftigten Frauen mit Kindern Teilzeit. Eine neuere österreichische Politikstudie beschreibt deshalb zu Recht sehr grosse Erwerbseinbussen nach Geburten und verweist auf lange Karenzzeiten, begrenzte ganztägige Kinderbetreuung und schulische Zeitstrukturen als Verstärker dieses Musters. Auch die Pensionsdaten sind eindeutig: Frauen bezogen in Österreich 2024 um 40,3 Prozent tiefere Alterspensionen als Männer. Wer wissen will, wohin eine langfristige Verfestigung des Muttereinkommensknicks führt, findet in Österreich ein besonders klares Beispiel. Die erste Adresse für diese Entwicklung ist dort Statistik Austria, die die Verschränkung von Lohnlücke, Teilzeit und Pensionslücke inzwischen sehr offen dokumentiert.

Frankreich setzt dazu einen Kontrapunkt, aber keinen Entwarnungsakzent. Die französische Forschung schätzt die Einkommenseinbusse von Müttern in den fünf Jahren nach einer Geburt auf rund 30 Prozent; für junge Erwachsene liegt die gemessene Einbusse im Monatseinkommen bei 23 Prozent, bei niedrigerer Bildung deutlich höher. Auch in Frankreich bleibt der Effekt also substanziell, er fällt aber geringer aus als in Deutschland oder Österreich. Gleichzeitig zeigen Daten von Insee, wie stark auch dort der Arbeitsmarkt nach einer Geburt neu sortiert wird. Die Wahrscheinlichkeit, dass Mütter Teilzeit arbeiten, steigt nach einer Geburt um 31 Prozentpunkte, ihre tatsächliche Wochenarbeitszeit sinkt deutlich, und ihr monatliches Nettoeinkommen nimmt im Durchschnitt um rund 200 Euro ab. Frankreich ist also nicht das Land ohne Mutterstrafe, sondern eher das Land mit einer etwas geringeren und anders institutionell abgefederten Mutterstrafe.

Die aktuellen Verdienstzahlen unterstreichen dieses Bild. In Frankreich lag der durchschnittliche Einkommensabstand im privaten Sektor 2024 bei 21,8 Prozent, der auf Vollzeitäquivalente berechnete Lohnabstand bei 14 Prozent. Das ist weiterhin erheblich, aber langfristig rückläufig. In Deutschland und Österreich sinken die Stundenlohnabstände ebenfalls. Entscheidend ist jedoch, dass die jährlichen Einkommensunterschiede dort besonders hartnäckig bleiben, weil sie stärker von Arbeitszeiten und Erwerbsunterbrüchen geprägt sind. Frankreich zeigt damit, dass bessere Kinderbetreuung und eine stärkere Norm der weiblichen Vollzeiterwerbstätigkeit die Einbussen dämpfen können, ohne sie zu beseitigen.

Wo Erwerbstätigkeit nur teilweise wieder aufgebaut wird, entstehen langfristige Abhängigkeiten

Wer die Länder nebeneinanderlegt, sollte methodisch vorsichtig bleiben. Nicht jede Studie misst denselben Zeitraum, nicht jede denselben Einkommensbegriff, nicht jede denselben Vergleich zwischen Müttern und Vätern. Aber der Befund ist trotzdem erstaunlich stabil. Überall dort, wo Elternschaft stark in eine geschlechtsspezifische Verteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit übersetzt wird, fällt die Einkommensstrafe für Mütter hoch aus. Und überall dort, wo mehr Kinderbetreuung, kürzere Erwerbsunterbrüche und höhere Vollzeitkontinuität möglich sind, fällt sie geringer aus. Die jüngsten Zahlen von Eurostat und der OECD stützen genau dieses Bild: Teilzeit unter erwerbstätigen Müttern ist besonders häufig in Österreich, Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz; in Frankreich bleibt sie zwar relevant, aber die Struktur ist weniger stark auf dauerhafte Reduktion weiblicher Erwerbszeit angelegt.

Für die Schweiz ist gerade dieser vergleichende Befund wichtig. Die Schweiz hat sich in den letzten Jahren bewegt, aber nicht grundlegend neu erfunden. Mehr Mütter bleiben erwerbstätig als früher. Doch die ökonomische Logik des Systems ist weitgehend dieselbe geblieben: Der Rückgang des Muttereinkommens wird über Teilzeit organisiert, familiär abgefedert und später in Vorsorgeunterschiede übersetzt. Das ist gesellschaftlich folgenreich, weil die relative Stabilität des Haushaltsmodells die individuelle Verletzlichkeit verdeckt. Solange die Partnerschaft trägt, bleibt das Problem oft unsichtbar. Bei Trennung, Krankheit, Arbeitslosigkeit oder im Alter wird es plötzlich existenziell.

Niedrige Einkommen nach Mutterschaft sind kein Spezialthema gut ausgebildeter urbaner Mittelschichten. Besonders hart treffen sie Frauen, die schon vor der Geburt wenig verdienen, deren Beruf geringe Lohn- und Entwicklungsperspektiven bietet oder deren Erwerbsbiografie ohnehin fragil ist. Wo das Einkommen schon vor der Schwangerschaft knapp war, wird die Reduktion des Pensums schnell zur Armutsfrage. Wo die Erwerbstätigkeit später nur teilweise wieder aufgebaut wird, entstehen langfristige Abhängigkeiten, die sich in Scheidungsrisiken, Vorsorgelücken und tieferen Handlungsspielräumen niederschlagen. Der Einkommensknick nach Mutterschaft ist deshalb nicht nur ein Arbeitsmarktthema, sondern eine Frage sozialer Sicherheit.

Die Lage der Dinge

Die Lage lässt sich weder alarmistisch noch beschwichtigend beschreiben. Es gibt Fortschritte. Jüngere Mütter sind häufiger erwerbstätig als frühere Generationen, und in mehreren europäischen Ländern sinken die Stundenlohnlücken langsam. Aber der Kern des Problems bleibt bestehen. Die niedrigen Einkommen nach Mutterschaft sind nicht bloss ein Nachhall individueller Lebensentscheidungen, sondern ein institutionell gestütztes Muster. Die erste Geburt verschiebt Einkommen, Arbeitszeit und Absicherung so stark, dass spätere Korrekturen oft nur noch begrenzt möglich sind.

Für die Schweiz heisst das: Gleichstellung kommt im Erwerbssystem nicht an ihr Ziel, solange Mutterschaft ökonomisch vor allem über die Reduktion weiblicher Erwerbsarbeit verarbeitet wird. Die neueren Daten zeigen keine Entwarnung, sondern eine präzisere Diagnose. Der vollständige Rückzug vom Arbeitsmarkt ist etwas seltener geworden, doch die dauerhafte Einkommensdämpfung bleibt. Teilzeitarbeit federt diesen Bruch sozial ab und stabilisiert ihn zugleich ökonomisch. Damit wird aus einem familienbiografischen Ereignis eine langfristige Verteilungsfrage.

Wenn man die Entwicklung der vergangenen Jahre zusammennimmt, dann ist die Richtung klar: Die Schweiz bewegt sich, aber sie bewegt sich zu langsam und zu selektiv. Mehr Erwerbsbeteiligung von Müttern ist real. Mehr ökonomische Gleichheit nach Mutterschaft ist es bislang nicht. Genau darin besteht der eigentliche Gender Gap dieses Themas: nicht nur im Unterschied zwischen Frauen und Männern, sondern in der gesellschaftlichen Routine, mit der aus einer Geburt eine langfristige Einkommenslücke wird.