DIN-Spezifikation verankert Spiritual Care im Gesundheitswesen

17. Juli 2026

Der neue Standard DIN SPEC 91494 bietet Einrichtungen einen Orientierungsrahmen, um spirituelle und existenzielle Bedürfnisse systematisch in die Versorgung einzubeziehen.

Das Deutsche Institut für Normung (DIN) hat mit der DIN SPEC 91494 erstmals einen praxisorientierten und interprofessionellen Standard für Spiritual Care im Gesundheitswesen veröffentlicht. Die Spezifikation soll Einrichtungen und Fachpersonen in der stationären, teilstationären und ambulanten Versorgung dabei unterstützen, spirituelle und existenzielle Anliegen von begleiteten Menschen sowie Mitarbeitenden angemessen zu berücksichtigen.

Spiritual Care versteht die DIN SPEC als professionelle Haltung der Zuwendung und mitfühlenden Begleitung. Im Zentrum stehen Fragen, Nöte, Ressourcen und Bedürfnisse von Menschen in Krisen- und Krankheitssituationen. Zugleich richtet sich der Ansatz auch an Mitarbeitende in Gesundheits- und Sozialberufen. Die Spezifikation beschreibt Spiritual Care als «integralen Bestandteil professioneller Haltung im gesamten Gesundheitssystem». Sie könne zudem auf weitere Bereiche des Sozial- und Gesundheitswesens übertragen werden, etwa auf die Altenhilfe, Eingliederungshilfe, Sozialpsychiatrie, Hospizarbeit und ambulante Pflege.

Der Standard wurde von einem Konsortium erarbeitet, dem Fachpersonen und Organisationen aus Pflege, Medizin, Patientenvertretung, therapeutischen und pädagogischen Berufen, Forschung sowie der Sozial- und Gesundheitswirtschaft angehörten. Beteiligt waren unter anderem die deutsche BruderhausDiakonie, die deutsche Johannesstift Diakonie, die Bayerische Krankenhausgesellschaft, das TUM Klinikum, die Uniklinik Köln und mehrere Hochschulen.

Die DIN SPEC definiert Begriffe, Qualitätsstandards und Anforderungen für Spiritual Care. Sie behandelt sowohl die unmittelbare Begleitung als auch die interprofessionelle Kommunikation und Zusammenarbeit. Dabei beschreibt sie Empfehlungen für ein Managementsystem, durch das Spiritual Care in Qualitäts-, Dokumentations- und Steuerungssystemen strukturell sichtbar werden kann. Nach Angaben des deutschen DIN ist der Managementbegriff dabei als unterstützende Organisations- und Orientierungsfunktion angelegt und ausdrücklich nicht als umfassendes Kontrollinstrument gedacht.

Die Spezifikation knüpft an das erweiterte bio-psycho-soziale Modell der Weltgesundheitsorganisation an und berücksichtigt die spirituelle Dimension als persönlichen Faktor. Sie betont, dass Spiritual Care weltanschaulich offen, freiwillig und pluralitätssensibel ausgestaltet werden soll. Vorhandene Formen der Begleitung sollen gemäss Dokument nicht verdrängt werden, sondern «kultur- und kontextsensibel ergänzt» werden.

Neben fachlichen und strukturellen Anforderungen enthält die DIN SPEC Hinweise zu Kompetenzen, Rollen, Dokumentation und Evaluation. Organisationen können sich freiwillig an den Kriterien orientieren, ihre Umsetzung dokumentieren und nachweisen. Als mögliche Ziele nennt die Spezifikation eine verbesserte Versorgungsqualität, eine höhere Zufriedenheit begleiteter Menschen und ihrer Angehörigen sowie eine Stärkung der Resilienz von Mitarbeitenden.