Einsamkeit im Alter gezielter erkennen und angehen

11. Sep. 2026

Angebote für ältere Menschen können Einsamkeit mindern, erfassen sie aber häufig nicht systematisch. Fachpersonen aus der Romandie fordern deshalb bessere Instrumente, Zusammenarbeit und erreichbare Unterstützungsangebote.

Einsamkeit im Alter ist ein Thema für viele Fachpersonen in Sozialarbeit und Gesundheit. An einer Veranstaltung des Kompetenznetzwerks Alter, Altern und Lebensende der Hochschule für Soziale Arbeit Lausanne vom 4. Juni 2025 tauschten sich Fachpersonen aus der Westschweiz über bestehende Angebote, Lücken und Zuständigkeiten aus. Die Autorinnen der Auswertung halten fest: Es gibt zahlreiche Programme auf kommunaler, kantonaler und nationaler Ebene, doch Einsamkeit wird darin oft nur indirekt berücksichtigt.

Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen sozialer Isolation und Einsamkeit. Soziale Isolation bezeichnet einen objektiv fehlenden Kontakt zu Partnerin oder Partner, Familie oder Freundeskreis. Einsamkeit ist dagegen ein persönliches Gefühl: Eine Person bewertet Anzahl oder Qualität ihrer Beziehungen als ungenügend. Sie kann sich auch einsam fühlen, obwohl sie mit anderen Menschen zusammenlebt oder regelmässig Kontakte hat.

Diese Unterscheidung ist laut der Auswertung für passende Unterstützung wichtig. Einsamkeit kann emotional, sozial oder existenziell geprägt sein und verlangt je nach Situation unterschiedliche Antworten. In Pflegeheimen etwa könne gemeinsames Wohnen nicht automatisch Zugehörigkeit schaffen. Eine Teilnehmerin der Workshops fasste diese Erfahrung mit «Zusammen, aber allein» zusammen.

Orte der Unterstützung für ältere Menschen bieten nach Ansicht der Autorinnen gute Möglichkeiten, Einsamkeit früh wahrzunehmen. Dazu gehören die Hilfe und Pflege zu Hause, Tagesstrukturen, alternative Wohnformen wie Senioren-Wohngemeinschaften sowie Pflegeheime und gerontopsychiatrische Einrichtungen. Auch betreuende Angehörige sollten berücksichtigt werden, da sie einem erhöhten Risiko für Einsamkeit ausgesetzt sein können.

Als Hindernisse nennen die Fachpersonen vor allem schwer zugängliche Informationen, fehlende personelle Ressourcen und ungleich verteilte Angebote. Zwischen einer Information über ein Angebot und der tatsächlichen Teilnahme fehle oft der persönliche Kontakt. Zudem erschwere die Trennung von Gesundheits- und Sozialbereich die Zusammenarbeit, obwohl Pflegefachpersonen gefährdete Menschen häufig früh wahrnähmen. Datenschutz und berufliche Schweigepflichten machten den Informationsaustausch zusätzlich anspruchsvoll.

Vorgeschlagen werden eine bessere Vernetzung der Stellen im Altersbereich, eine Übersicht über vorhandene Angebote und deren Erreichbarkeit auch in ländlichen Regionen. Ebenso wichtig seien Aus- und Weiterbildungen zum Erkennen von Einsamkeit sowie gemeinsame Lernangebote für Gesundheits- und Sozialberufe. Freiwilligenarbeit könne soziale Beziehungen stärken, brauche jedoch eine verlässliche Begleitung und ausreichend Ressourcen.

Für diakonische und soziale Angebote liegt der Nutzen dieser Erkenntnisse vor allem darin, ältere Menschen nicht allein anhand ihres sichtbaren sozialen Netzes einzuschätzen. Niederschwellige Begegnungsmöglichkeiten, persönliche Ansprache und abgestimmte Zusammenarbeit können helfen, auch jene Menschen zu erreichen, deren Einsamkeit von aussen nicht sofort erkennbar ist. Die Autorinnen betonen zudem, dass Massnahmen künftig stärker daraufhin überprüft werden sollten, ob sie Einsamkeitsgefühle tatsächlich verringern.