Caritas Schweiz rechnet für 2026 mit dem vierten deutlichen Anstieg der Krankenkassenprämien in Folge. Wie hoch der Prämiensprung genau ausfällt, werde der Bund in den kommenden Tagen bekannt geben, heisst es im Mediencommuniqué. Bereits jetzt sei absehbar, dass Versicherte 2026 im Vergleich zu 2022 um mehr als ein Viertel höhere Prämien bezahlen müssten, während die Löhne in dieser Zeit stagnierten. Für Haushalte mit tiefen Einkommen verschärfe dies den Druck zusätzlich, zumal auch die Marktmieten weiter steigen.
«Diese Entwicklung macht uns grosse Sorgen. Ausgaben für Wohnen und Gesundheit fressen bei ärmeren Haushalten inzwischen im Schnitt etwa die Hälfte des Bruttoeinkommens auf. Der neuerliche Prämienanstieg ist für sie ein Schock», sagt Aline Masé, Leiterin der Fachstelle Sozialpolitik bei Caritas Schweiz. Gemäss Mitteilung spürt die Organisation die finanzielle Anspannung besonders in ihren Beratungsangeboten.
Die Sozial- und Schuldenberatungen der regionalen Caritas-Organisationen verzeichnen seit längerer Zeit eine sehr hohe Nachfrage. «Die Gesundheitskosten sind in fast jedem Beratungsgespräch ein zentrales Thema», sagt Masé. Ein grosser Teil der Betroffenen habe Zahlungsausstände bei den Kassen; viele verzichteten sogar auf ärztliche Behandlung, weil der Selbstbehalt zu hoch sei. «Die steigenden Krankenkassenprämien sind ein wichtiger Grund, weshalb Menschen in Armut geraten», sagt Aline Masé.
Politisch richtet Caritas Schweiz ihren Appell an die Kantone. Diese müssten den Kostensteigerungen mit höheren Prämienverbilligungen begegnen. Der Bundesrat nehme die Kantone im Rahmen des Gegenvorschlags zur 2024 an der Urne gescheiterten Prämienentlastungsinitiative in die Pflicht, heisst es weiter. «Prämienverbilligungen allein werden nicht ausreichen, um die betroffenen Haushalte mit tiefen Einkommen genügend zu entlasten. Es ist Zeit, die Gesundheitskosten solidarischer zu verteilen», unterstreicht Masé. Die Mitteilung fasst zusammen, dass die Kombination aus stagnierenden Löhnen, steigenden Prämien und höheren Mieten für Menschen mit tiefen Einkommen kaum verkraftbar sei.
