Erste nationale Konferenz des neu gegründeten Kompetenzzentrums Seelsorge im Gesundheitswesen

26. Jan. 2026

In Bern diskutierten Kirchen, Fachpersonen und Politik die Zukunft der Seelsorge im Gesundheitswesen und setzten ein Zeichen für gemeinsame Verantwortung.

In Bern hat am 19. Januar 2026 erstmals eine nationale Konferenz des neu gegründeten Kompetenzzentrums Seelsorge im Gesundheitswesen (KSiG) stattgefunden. Rund 80 Fachpersonen aus Kirchen, Religionsgemeinschaften, Berufsverband, Weiterbildung und Praxis kamen zusammen, um über die langfristige Sicherung der Seelsorge als Bestandteil einer ganzheitlichen Gesundheitsversorgung zu beraten. Im Zentrum stand die Frage, wie Seelsorge unter wachsendem Kostendruck und angesichts gesellschaftlicher Vielfalt professionell verankert werden kann, so die Mitteilung.

Das KSiG hat seine Arbeit am 1. September 2025 aufgenommen. Mit der Gründung bündeln die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz, die Schweizer Bischofskonferenz und die Römisch-Katholische Zentralkonferenz erstmals ihre Kräfte auf nationaler Ebene. Die Co-Präsidentinnen des Steuerungsausschusses, Catherine Berger und Sabine Stalder, bezeichneten diesen Schritt als Meilenstein, da die Kirchen damit gemeinsam Verantwortung für ein zentrales gesellschaftliches Handlungsfeld übernehmen. Seelsorge richte sich dort an Menschen, «wo sie in Krankheit, Krise und am Lebensende Begleitung und Orientierung suchen», unabhängig von religiöser Zugehörigkeit, gemäss Mitteilung.

Das Kompetenzzentrum versteht sich als Plattform, Stimme und Ressource. Es will gute Rahmenbedingungen für die Seelsorge im Gesundheitswesen fördern, Entscheidungsgrundlagen für die Kirchen erarbeiten und den Dialog mit Akteurinnen und Akteuren aus Gesundheitswesen, Politik und Gesellschaft stärken. Ziel sei nicht institutionelle Selbstsicherung, sondern die nachhaltige Verankerung des Werts der Seelsorge im Dienst am Menschen, heisst es weiter.

Ein inhaltlicher Schwerpunkt der Konferenz war das Referat der Berner Nationalrätin Ursula Zybach. Sie beschrieb das Schweizer Gesundheitswesen als leistungsfähig, aber zunehmend überlastet. Chronische Erkrankungen, psychische Belastungen und die Situation am Lebensende erforderten langfristige Begleitung. Seelsorge könne an Übergängen, in ambivalenten Entscheidungssituationen und auch zur Unterstützung von belastetem Gesundheitspersonal eine wichtige Rolle spielen, so Zybach gemäss Tagungsbericht.

Praxisbeispiele aus allen Sprachregionen der Schweiz zeigten die Vielfalt der Seelsorge im Gesundheitswesen, von ambulanter Begleitung über ökumenische und multireligiöse Teams bis hin zu kantonalen und interkantonalen Modellen. Deutlich geworden sei dabei der Bedarf nach nationaler Koordination, klaren Qualitätsstandards und einer Stärkung ambulanter Angebote.

Im geschäftlichen Teil der Konferenz wurde das Budget 2026 vorgestellt. Es beläuft sich auf 180’000 Franken und wird zu 40 Prozent von der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz sowie zu 60 Prozent von der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz getragen. Die Konferenz markierte gemäss Mitteilung den Auftakt eines gemeinsamen Weges. Die nächste nationale Konferenz des Kompetenzzentrums Seelsorge im Gesundheitswesen ist für den 30. Oktober 2026 in Luzern angekündigt.