EU-Fördermittel spielen eine zentrale Rolle bei der Unterstützung von Integrationsarbeit für Migrantinnen, Migranten sowie Geflüchtete in Europa. Zu diesem Ergebnis kommt der neue Bericht „The Significance of EU Funding for Inclusion of Migrants and Refugees“, den der gesamteuropäische Diakonie-Dachverband Eurodiaconia im Dezember 2025 veröffentlicht hat. Die Studie untersucht, wie Mitgliedsorganisationen EU-Mittel einsetzen und welche strukturellen Herausforderungen damit verbunden sind.
Gemäss Bericht leisten kirchliche und christliche Organisationen in ganz Europa einen wesentlichen Beitrag zur Aufnahme, Begleitung und langfristigen Integration von Menschen mit Flucht- oder Migrationserfahrung. Zu den angebotenen Leistungen zählen unter anderem Erstaufnahme und humanitäre Hilfe, soziale und arbeitsmarktliche Integration, psychosoziale Unterstützung sowie Rechts- und Beratungsangebote. Finanziert werden diese Aktivitäten häufig über einen Finanzierungsmix, in dem EU-Programme eine wichtige Rolle spielen, insbesondere der Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds, so die Mitteilung.
Der Bericht hebt hervor, dass der Zugang zu EU-Fördermitteln für viele Organisationen anspruchsvoll bleibt. Erfolgsfaktoren seien eine langjährige fachliche Erfahrung, ausreichende organisatorische und finanzielle Kapazitäten sowie qualitativ hochwertige Projektanträge. Gleichzeitig benennen die befragten Organisationen erhebliche Hürden. Dazu zählen komplexe Antrags- und Berichtspflichten, hohe Anforderungen an Kofinanzierung sowie eine begrenzte Flexibilität der Programme, die eine Anpassung an lokale Bedürfnisse erschwert.
Besonders kritisch beurteilt Eurodiaconia die Umsetzung des sogenannten Partnerschaftsprinzips. Zwar sehen die EU-Regularien eine enge Einbindung der Zivilgesellschaft in Planung, Umsetzung und Evaluation der Programme vor, doch werde dieses Prinzip in vielen Mitgliedstaaten nur unzureichend umgesetzt. Zivilgesellschaftliche Organisationen würden häufig lediglich als Dienstleister wahrgenommen und kaum in strategische Entscheidungen einbezogen, heisst es im Bericht.
Zugleich macht die Studie deutlich, dass EU-Fördermittel zwar Innovationen ermöglichen, jedoch oft keine langfristige Finanzierung sicherstellen. In mehreren Ländern bestehe die Gefahr, dass EU-Gelder nationale Finanzierungen ersetzen, ohne dass eine nachhaltige Verankerung erfolgreicher Projekte gewährleistet sei. Besonders Lücken zeigten sich bei der Finanzierung grundlegender humanitärer Leistungen, bei Angeboten für Asylsuchende sowie bei Unterstützungsangeboten für besonders vulnerable Gruppen.
Vor dem Hintergrund der anstehenden Verhandlungen über den nächsten mehrjährigen Finanzrahmen der EU fordert Eurodiaconia Reformen. Künftige Förderprogramme müssten zugänglicher, flexibler und stärker an den tatsächlichen Bedarfen vor Ort ausgerichtet sein. Zudem sollten sie konsequent auf den Grundwerten der Europäischen Union aufbauen und die Menschenwürde sowie soziale Teilhabe in den Mittelpunkt stellen, so der Bericht.
