Eurodiaconia versammelt Europas Diakonie in Wien

28. Mai 2026

Mehr als 80 Teilnehmende diskutierten in Wien über soziale Gerechtigkeit, Pflege, Armut und Zusammenhalt in Europa.

Der gesamteuropäische Diakonie-Dachverband Eurodiaconia hat Ende Mai seine Jahresversammlung in Wien durchgeführt. Mehr als 80 Gäste aus den Mitgliedsorganisationen kamen laut Mitteilung in der österreichischen Hauptstadt zusammen, um über aktuelle soziale Herausforderungen in Europa und die Zukunft diakonischer Arbeit zu beraten. Die diesjährige Generalversammlung stand unter dem Leitmotiv „Dienstleistungen – Interessenvertretung – Gemeinschaft: Drei Beiträge für ein Europa von heute und morgen“.

Die Veranstaltung begann mit einem Eröffnungsgottesdienst und einem Empfang der Vienna Community Church. Zum Auftakt der inhaltlichen Beratungen führten die österreichische Theologin Maria Katharina Moser von Diakonie Österreich und Martin Schenk in Geschichte und Arbeit der österreichischen Organisation ein. Im Mittelpunkt standen dabei Unterstützungsangebote für besonders verletzliche Menschen in Österreich.

Während der Generalversammlung sei immer wieder auf die zunehmenden sozialen Belastungen in Europa hingewiesen worden, so die Mitteilung. In einer Videobotschaft warnte die österreichische Bundesministerin Korinna Schumann vor einer wachsenden Fragilität der Sicherheit in Europa. Christian Wigand von der Vertretung der Europäischen Kommission in Österreich würdigte zugleich die Arbeit sozialer Dienstleisterinnen und Dienstleister an vorderster Front und bekräftigte das Engagement der Europäischen Union für soziale Wohlfahrt und Demokratie.

In mehreren Podiumsdiskussionen befassten sich Vertreterinnen und Vertreter der Mitgliedsorganisationen aus Frankreich, Spanien, Dänemark und Litauen mit drängenden Fragen der sozialen Arbeit. Thematisiert wurden unter anderem der Fachkräftemangel im Sozial- und Pflegebereich, das Spannungsfeld zwischen gemeinnütziger und kommerzieller Pflege, Hilfen für Opfer sexualisierter Gewalt sowie die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine auf Nachbarländer und lokale Gemeinschaften. Die Diskussionen hätten zugleich die Vielfalt der europäischen Erfahrungen und die gemeinsamen Werte innerhalb des Netzwerks sichtbar gemacht, heisst es weiter.

Der zweite Konferenztag stand laut Eurodiaconia besonders im Zeichen von Solidarität und Zusammenarbeit. Die Politikwissenschaftlerin Barbara Prainsack von der Universität Wien sprach in einem Grundsatzreferat über Fürsorge und Solidarität in unruhigen Zeiten. Sie ermutigte die Teilnehmenden dazu, gesellschaftliche Institutionen durch Mitgefühl und gemeinsame Verantwortung zu stärken. Zudem nahm der Dachverband zwei neue Mitgliedsorganisationen aus Finnland und Kroatien auf.

In Workshops und sogenannten „World-Café“-Formaten diskutierten die Teilnehmenden über bezahlbaren Wohnraum, die Inklusion von Roma, Führungsfragen, Nachhaltigkeit sowie den Erhalt diakonischer Werte in einer sich rasch wandelnden Gesellschaft. Exkursionen zu sozialen Projekten in Wien ermöglichten Einblicke in Angebote für obdachlose Menschen, Migrantinnen und Migranten, Menschen mit Behinderungen sowie Personen mit psychischen Erkrankungen.

Zum Abschluss der Generalversammlung blickte Eurodiaconia auf die Arbeit des vergangenen Jahres zurück. Zugleich kündigte der Dachverband an, dass die Jahresversammlung 2027 in Madrid stattfinden wird. Gastgeberinnen werden dann die spanische Organisation Diaconía España gemeinsam mit Asociación Nueva Vida und der Iglesia Evangélica Española sein.