Der Ausbau der familienergänzenden Kinderbetreuung in der Schweiz wirkt sich positiv auf den späteren Schulerfolg von Kindern aus. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie von Ramona Schnorf und Stefan C. Wolter, die die Auswirkungen der frühkindlichen Bildung und Betreuung auf den Verlauf der ersten Schuljahre untersucht.
Grundlage der Untersuchung ist die seit 2003 laufende Förderung von Betreuungsplätzen durch den Bund. In den vergangenen 22 Jahren wurden dadurch rund 79’500 neue Betreuungsplätze geschaffen. Die Forschenden nutzten diesen Ausbau als eine Art natürliches Experiment, um den Zusammenhang zwischen früher Kinderbetreuung und späteren Bildungserfolgen zu analysieren.
Für die Studie wurden Daten von mehr als 68’000 Schülerinnen und Schülern aus der ganzen Schweiz ausgewertet. Im Mittelpunkt stand die Frage, ob Kinder ihren Bildungsweg in den ersten Jahren von Kindergarten und Primarschule ohne Klassenwiederholung durchlaufen konnten. Die Ergebnisse zeigen, dass Kinder aus Gemeinden, die vom Ausbau der Betreuungsangebote profitierten, seltener eine Klasse wiederholen mussten. Die Autorinnen und Autoren sprechen von einem kausalen Zusammenhang zwischen dem Ausbau der frühkindlichen Betreuung und einer stabileren Schullaufbahn.
Besonders deutlich fallen die Effekte bei Jungen sowie bei Kindern mit Migrationshintergrund aus. Gemäss der Studie profitieren Kinder mit Migrationshintergrund überdurchschnittlich stark von einem verbesserten Zugang zu frühkindlicher Betreuung. Die Forschenden führen dies unter anderem darauf zurück, dass viele dieser Kinder zu Hause nicht die spätere Unterrichtssprache sprechen und ausserfamiliäre Betreuung daher zusätzliche Sprach- und Entwicklungsimpulse bieten kann. Auch bei Jungen zeigen sich stärkere positive Wirkungen als bei Mädchen.
Die Untersuchung weist zudem darauf hin, dass die positiven Effekte vor allem in den ersten Primarschuljahren sichtbar werden. Während im Kindergarten bei Entscheidungen über den Übertritt vor allem die soziale und emotionale Entwicklung berücksichtigt wird, spielen in der Primarschule vor allem schulische Leistungen eine Rolle. Dies deute darauf hin, dass frühkindliche Betreuung insbesondere die kognitive Entwicklung fördern könne, so die Studie.
Die Schweizerische Koordinationsstelle für Bildungsforschung (SKBF) bewertet die Ergebnisse als Hinweis darauf, dass qualitativ gute frühkindliche Betreuung nicht nur die Vereinbarkeit von Familie und Beruf unterstütze, sondern auch zur Chancengerechtigkeit und zum Bildungserfolg beitrage.
