«Gleichstellung verhindert Gewalt»: Bund lanciert erste nationale Präventionskampagne

12. Nov. 2025

Der Bund startet eine mehrjährige Kampagne gegen häusliche, sexualisierte und geschlechtsbezogene Gewalt. Im Zentrum steht der Ansatz: «Gleichstellung verhindert Gewalt».

Die Schweizer Regierung hat die erste nationale Präventionskampagne gegen häusliche, sexualisierte und geschlechtsbezogene Gewalt lanciert. Vorgestellt wurde sie am 11. November 2025 von Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider. Getragen wird die Kampagne vom Eidgenössischen Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann (EBG) zusammen mit einer breiten Allianz von Bund, Kantonen, Gemeinden und zivilgesellschaftlichen Organisationen, wie die Mitteilung aus Bern festhält. Sie ist auf mehrere Jahre angelegt und richtet sich in drei Phasen zuerst an Betroffene, danach an deren Umfeld und anschliessend an (potenzielle) Tatpersonen.

Die Ausgangslage schildert der Bund mit deutlichen Zahlen: 2024 registrierte die Polizei 21 127 Straftaten im Bereich häuslicher Gewalt, ein Plus von 6 Prozent gegenüber dem Vorjahr; rund 70 Prozent der Opfer waren Frauen. Mehr als die Hälfte aller Tötungsdelikte ereigne sich im häuslichen Umfeld, zudem sei gemäss NGOs die Zahl der Femizide 2025 gestiegen, so die Mitteilung.

Leitmotiv und Botschaft der Kampagne lauten «Gleichstellung verhindert Gewalt». «Gleichstellung» werde als Schutzfaktor verstanden, weil sie Beziehungen auf Augenhöhe, Unabhängigkeit, Dialog und gegenseitigen Respekt fördere; ungleiche Machtverhältnisse und finanzielle Abhängigkeiten könnten dagegen Gewalt begünstigen, heisst es. Kampagnensujets zeigen Alltagssituationen, in denen solche Ungleichgewichte und frühe Warnzeichen sichtbar werden.

Zentraler Anlaufpunkt ist die Website ohne-gewalt.ch, die Informationen, Ratschläge und passgenaue Unterstützungsangebote für Betroffene, Angehörige und Bezugspersonen sowie für Täterinnen und Täter bereithält. Ab Mai 2026 wird zudem die dreistellige Opferhilfe-Nummer 142 bekannt gemacht, um rund um die Uhr niederschwellige Hilfe zu ermöglichen. Sichtbar wird die Kampagne in zwei jährlichen Wellen, jeweils im Juni und im November, auf Plakaten im öffentlichen Raum sowie in den sozialen Medien. Die Materialien erscheinen in Deutsch, Französisch und Italienisch; ausgewählte Inhalte auch in Englisch, Rätoromanisch, weiteren in der Schweiz gesprochenen Sprachen sowie in Leichter Sprache.

Politisch und strategisch ist die Kampagne in die Gleichstellungsstrategie 2030 des Bundes eingebettet. Sie setzt eine parlamentarische Motion um und entspricht den Verpflichtungen der Istanbul-Konvention, die seit 2018 in der Schweiz gilt. Begleitet werde das Vorhaben von einer regelmässigen Evaluation, um Wirkung und Zielgenauigkeit zu überprüfen, hält die Mitteilung fest.

Beteiligt an der Erarbeitung waren neben dem EBG verschiedene Bundesstellen – darunter BAG, BASPO, BSV und das Eidgenössische Büro für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen – sowie die Konferenz der kantonalen Sozialdirektorinnen und Sozialdirektoren (SODK), die Schweizerische Kriminalprävention (SKP) im Auftrag der KKJPD, die Schweizerische Konferenz gegen Häusliche Gewalt, die Schweizerische Konferenz der Gleichstellungsbeauftragten, die Schweizerische Opferhilfekonferenz, der Schweizerische Städteverband, Kinderschutz Schweiz, die Dachorganisation Frauenhäuser Schweiz und Liechtenstein sowie das NGO-Netzwerk zur Umsetzung der Istanbul-Konvention.

Mit der mehrjährigen Stossrichtung will der Bund die Bevölkerung für frühe Anzeichen von Gewalt sensibilisieren, Betroffene stärken und das Umfeld befähigen, aktiv zu werden. Die Kampagne appelliert an alle in der Schweiz lebenden Menschen, ihren Beitrag zu leisten – «auf Augenhöhe und mit Respekt – gleichgestellt», wie es im Faktenblatt heisst.