Globaler Hunger nimmt dramatisch zu – Finanzierung fällt auf Niveau von 2016 zurück

29. Apr. 2026

Der weltweite Hunger hat sich in zehn Jahren verdoppelt, während die internationale Finanzierung massiv zurückgeht.

Die globale Ernährungslage hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verschärft. Wie aus einer aktuellen Mitteilung von UNICEF Schweiz hervorgeht, bleibt „das Ausmass akuter Ernährungsunsicherheit und Mangelernährung alarmierend hoch“, während sich Krisen zunehmend auf wenige besonders betroffene Länder konzentrieren.

Grundlage der Einschätzung ist der neue Bericht „Global Report on Food Crises 2026“, der von einer internationalen Allianz veröffentlicht wurde. Demnach hat sich die Zahl der akut hungernden Menschen in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. Gleichzeitig ist die Finanzierung für humanitäre Hilfe deutlich zurückgegangen und liegt heute wieder auf dem Stand von 2016.

Besonders betroffen sind wenige Länder, in denen sich ein Grossteil der globalen Krise bündelt. Zehn Staaten vereinen laut Bericht rund zwei Drittel aller Menschen, die von schwerem Hunger betroffen sind. Dazu zählen unter anderem Afghanistan, die Demokratische Republik Kongo, Nigeria oder der Sudan. Besonders gravierende Situationen bestehen in Afghanistan, Südsudan, Sudan und Jemen, die sowohl gemessen an der Zahl der Betroffenen als auch am Anteil der Bevölkerung die grössten Ernährungskrisen aufweisen, so die Mitteilung.

Die Entwicklung spitzt sich in einzelnen Regionen weiter zu. So wurde im Jahr 2025 erstmals gleichzeitig in zwei Konfliktkontexten eine Hungersnot festgestellt – im Gazastreifen und in Teilen des Sudan. Dies sei ein deutliches Zeichen für die Eskalation extremer Hungerlagen, die vor allem durch Konflikte, eingeschränkten Zugang für humanitäre Hilfe und Vertreibung verursacht würden.

Insgesamt waren 2025 rund 266 Millionen Menschen in 47 Ländern von hoher akuter Ernährungsunsicherheit betroffen, was knapp 23 Prozent der untersuchten Bevölkerung entspricht. Damit liegt der Anteil leicht über dem Vorjahr und fast doppelt so hoch wie 2016.

Auch die Mangelernährung bleibt ein zentrales Problem. Laut Bericht litten 2025 weltweit 35,5 Millionen Kinder an akuter Mangelernährung, darunter fast zehn Millionen schwer. In vielen Ländern verstärken sich Hunger, Krankheiten und mangelnde Grundversorgung gegenseitig und führen zu besonders hohen Risiken für Kinder und Familien.

UN-Generalsekretär António Guterres warnt im Vorwort des Berichts eindringlich vor den Folgen dieser Entwicklung. Konflikte seien weiterhin der Haupttreiber von Hunger weltweit, und dass in einem Jahr in zwei Regionen Hungersnöte auftreten, sei „eine beispiellose Entwicklung“, so der Bericht. Gleichzeitig wird ein deutlicher politischer Handlungsbedarf formuliert, um humanitäre Hilfe auszuweiten und die Ursachen von Konflikten zu bekämpfen.

Zudem verschärft Vertreibung die Situation weiter. Mehr als 85 Millionen Menschen lebten 2025 in betroffenen Ländern auf der Flucht. Vertriebene seien besonders häufig von akutem Hunger betroffen, da sie ihre Lebensgrundlagen verlieren und stärker auf externe Hilfe angewiesen sind.

Insgesamt zeichnet der Bericht ein klares Bild: Die globale Hungerkrise verschärft sich weiter, während gleichzeitig die Mittel zu ihrer Bekämpfung schrumpfen – ein Spannungsfeld, das laut Mitteilung dringend politisches Handeln erfordert.