Mit Beginn des Advents und damit eines neuen Kirchenjahres richtet die Reformierte Kirche Baselland den Blick ausdrücklich auf das, was nach eigener Darstellung lange im Dunkeln lag. In einer Erklärung beschreibt Kirchenratspräsidentin Pfarrerin Regine Kokontis, dass seit August bekannt sei, «dass in unserer Kirche Menschen Grenzverletzungen erlebt haben». Mehr als zehn Betroffene hätten sich gemäss Mitteilung an offizielle Stellen gewandt und von «Übergriffen» sowie «Vertrauensmissbrauch» berichtet; das daraus entstandene Leid wirke nach, so der Text.
Die Reformierte Kirche Baselland distanziere sich «von jeder Person, die ihre berufliche Stellung auf solche Weise ausnützt, Vertrauen missbraucht, Mitmenschen in ihrer Integrität verletzt und damit auch der Gemeinschaft Schaden zufügt». Zugleich richtet Kokontis das Wort direkt an die Betroffenen und sagt: «Es tut mir so leid, dass Ihr, Betroffene, innerhalb der Reformierten Kirche Baselland solchen Schmerz erfahren habt. Ich bitte um Entschuldigung.»
In der Erklärung kündigt die Kirchenleitung weitere Schritte an. Kokontis verspricht, Mitarbeitende und Behörden zu sensibilisieren und zu schulen, «damit heikle Strukturen geändert, Vorkommnisse offen angesprochen und Übergriffe wenn immer möglich verhindert werden − oder wenigstens ans Licht kommen». Sie betont zudem die Bedeutung, Aussagen von Kindern, Grosskindern und Partnerinnen und Partnern ernst zu nehmen. Anerkennung sei «der erste wichtige Schritt, damit Heilung geschehen kann», heisst es sinngemäss.
Mit Blick auf Weihnachten verbindet die Kirchenratspräsidentin die Aufarbeitung mit einer Hoffnungsperspektive und zitiert aus dem Lukasevangelium: «Und des Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie.» Im Namen der Reformierten Kirche Baselland anerkenne sie das zugefügte Leid und hoffe, «dass sie die Unterstützung erhalten, die sie brauchen und die sie stärkt». Genannt wird auch eine Gruppe von mindestens sechs Betroffenen, die im Austausch stehe; bei Bedarf würden interne und externe Fachleute zur Begleitung beigezogen. Wer betroffen sei und Kontakte oder ein Gespräch suche, werde gebeten, sich zu melden; die entsprechenden Telefonnummern seien auf refbl.ch bei der «Meldestelle Grenzverletzungen» zu finden.
