In einer Stellungnahme vom 24. September 2025 kündigt das Schweizer Hilfswerk HEKS Widerstand gegen die von der SVP eingereichte Grenzschutz-Initiative an. Die Organisation begründet dies mit massiven Risiken für den Schutz Geflüchteter und grundlegende Rechte. Wörtlich hält HEKS fest: «Die am 24. September 2025 eingereichte Grenzschutz-Initiative der SVP ist ein radikaler Angriff auf den Flüchtlingsschutz und die Menschenrechte in der Schweiz.» Gemäss Mitteilung wolle die Initiative verhindern, dass Schutzsuchende, die über einen sogenannten sicheren Drittstaat einreisen – in der Praxis fast alle –, in der Schweiz überhaupt ein Asylgesuch stellen können.
Damit, so HEKS, würde die Schweiz internationale Verpflichtungen missachten. «Damit würde die Schweiz gegen zwingendes Völkerrecht verstossen, insbesondere gegen das Non-Refoulement-Gebot, das die pauschale Zurückweisung von Geflüchteten verbietet.» Ebenso kritisiert das Hilfswerk, dass das individuelle Recht auf ein Verfahren untergraben würde: «Mit der Initiative würde das individuelle Recht auf ein Asylverfahren faktisch abgeschafft.» Statt rechtsstaatlicher Prüfung wären Schutzsuchende von politisch festgelegten Obergrenzen abhängig. HEKS warnt zudem vor einem willkürlichen Kontingent – genannt werden maximal 5’000 Asylgewährungen pro Jahr – und folgert: «Damit würde das Asylrecht zu einer humanitären Lotterie degradiert – der Schutzanspruch der Menschen bliebe unberücksichtigt.»
Besonders hart würden nach Einschätzung von HEKS Kriegsvertriebene getroffen. Mit der geforderten ersatzlosen Abschaffung der vorläufigen Aufnahme (Status F) verlören zehntausende Menschen, etwa aus Syrien oder Afghanistan, ihren Schutzstatus trotz langjähriger Integration. HEKS betont: «Es entstünde eine Gruppe von Menschen ohne Rechte – ohne Rücksicht auf ihre Lebensrealität oder ihre Gefährdungslage.» Davon betroffen wären auch Kinder, deren Bildungswege abrupt gefährdet würden.
Eine weitere Verschärfung sieht HEKS für Sans-Papiers. Schätzungsweise mindestens 100’000 Menschen ohne geregelten Aufenthalt leben und arbeiten in der Schweiz – viele in Pflege, Haushalt oder Bau. Der Ausschluss von Kranken- und Sozialversicherungen und die Kriminalisierung ihrer Beschäftigung trieben Betroffene tiefer in die Illegalität. «Sie würden den Zugang zur Gesundheitsversorgung verlieren, und ihre Kinder den Zugang zu Bildung – beides universelle Menschenrechte, die unabhängig vom Aufenthaltsstatus für alle gelten.»
Über die innenpolitischen Folgen hinaus erwartet HEKS aussenpolitische Verwerfungen. Eine Annahme der Initiative hätte gemäss Mitteilung die Kündigung zentraler menschenrechtlicher Errungenschaften wie der Genfer Flüchtlingskonvention und der Europäischen Menschenrechtskonvention und das Ende der Schweizer Beteiligung an Schengen/Dublin zur Folge – mit Risiken von eingeschränkter Personenfreizügigkeit bis zum Reputationsschaden für die «humanitäre Schweiz». Auch volkswirtschaftlich drohten Einbussen: Personen mit Fluchtgeschichte trügen heute in vielen Bereichen zum Arbeits- und Fachkräftebedarf bei. «Die Initiative schwächt das Arbeits- und Fachkräftepotenzial der Schweiz erheblich», heisst es. Zur Vertiefung verweist HEKS auf ein Argumentarium der Schweizerischen Flüchtlingshilfe.
