HEKS legt Positionspapier zur Inklusion vor

10. Sep. 2025

Das Schweizer Hilfswerk HEKS verankert Inklusion als strategischen Schwerpunkt und formuliert konkrete politische Positionen für soziale, wirtschaftliche und politische Teilhabe.

Das Hilfswerk der Evangelisch-Reformierten Kirche Schweiz HEKS hat ein umfassendes Positionspapier zur Inklusion veröffentlicht. Darin konkretisiert HEKS sein Verständnis von Inklusion, skizziert eine Vision sowie politische Forderungen und gibt Einblick in die Programmarbeit in der Schweiz und weltweit. «Mit dem Schwerpunkt Inklusion verdeutlicht HEKS, dass Teilhabe in der Verantwortung der gesamten Gesellschaft sowie ihrer Institutionen liegt und nicht allein bei den zu integrierenden Individuen», heisst es in der Kurzfassung.

Das Papier ordnet Inklusion als komplementären Ansatz zur Integration ein: Während Integrationsangebote die individuelle Teilhabe stärken, zielt Inklusion auf strukturelle Veränderungen und Antidiskriminierung. HEKS arbeitet dazu in drei Feldern – sozialer, wirtschaftlicher und politischer Inklusion – und setzt auf drei Ebenen an: bei Programmteilnehmenden, in der Gesellschaft und in den eigenen Organisationsstrukturen. Leitend ist ein systemischer Ansatz, der Veränderungen auf struktureller, relationaler und mentaler Ebene verbindet. Ein Inklusionswürfel visualisiert dieses Zusammenspiel.

Als Begründung verweist die Schweizer Organisation auf globale Entwicklungen: Weltweit nähmen Ungleichheiten und Diskriminierungen zu, was Lebenslagen verschlechtere, den gesellschaftlichen Zusammenhalt belaste und politische Instabilitäten fördere. Inklusion sei deshalb «Schlüssel zur Sicherstellung individueller Rechte, zur Entfaltung des Potenzials vielfältiger Gesellschaften und zur Förderung von sozialem Fortschritt», so die Mitteilung.

HEKS engagiert sich nach eigenen Angaben in 16 Kantonen in der Schweiz und in über 30 Ländern auf vier Kontinenten. Die Arbeit orientiert sich an der UNO-Agenda 2030 («Leave no one behind») und an internationalen Menschenrechtsstandards. In der Schweiz reichen die Aktivitäten von Sprachförderung und digitalen Grundkompetenzen über Rechtsberatung und Antidiskriminierungsangebote bis zu Arbeitsmarktprojekten; international stehen u. a. die Inklusion von Rom:nja im Kosovo, Menschen mit Behinderungen in Rumänien sowie wirtschaftliche Teilhabe von Binnenvertriebenen in Myanmar im Fokus.

Politisch positioniert sich die Organisation für den Abbau sozialer Ungleichheiten, einen diskriminierungssensiblen Arbeitsmarkt, vereinfachte Anerkennung von Bildungsabschlüssen sowie partizipative Entscheidungsprozesse. Für die Schweiz fordert HEKS ein zeitgemässes Bürgerrecht, die Senkung formeller Hürden bei Einbürgerungen und mehr politische Mitbestimmung für Menschen ohne Schweizer Pass zumindest auf kantonaler und kommunaler Ebene.

HEKS betont, eine inklusive Gesellschaft lasse sich nur gemeinsam gestalten – und beginnt bei sich selbst: In einer organisationalen Transformation will die Schweizer Organisation Macht teilen, Entscheidungsprozesse transparenter machen, Diversität in Gremien erhöhen und verbindliche Standards zum Diskriminierungsschutz etablieren. «Inklusion ist nicht nur ein abstraktes Konzept, sondern auch ein Prozess, der durch kleine, bewusste Handlungen im täglichen Leben gefördert werden kann», heisst es im Papier. «Für Veränderung braucht es alle. Und für alle ist es ein Lernprozess.»