HEKS positioniert sich deutlich gegen die «Keine 10-Millionen-Schweiz»-Initiative der SVP, die nächstes Jahr zur Abstimmung kommt. Die Initiative verlangt eine Obergrenze von zehn Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern und sieht laut HEKS «starre und extreme Massnahmen» vor, um die Zuwanderung zu begrenzen. In einer Stellungnahme hält die Organisation fest: «Ohne Zuwanderung kein Wohlstand, ohne Flüchtlingsschutz keine Menschlichkeit.» Damit verknüpft HEKS zwei zentrale Argumentationslinien: die Bedeutung der Zuwanderung für den Arbeitsmarkt und die Wahrung internationaler Verpflichtungen im Schutz von Geflüchteten.
Nach Darstellung von HEKS würde eine Annahme der Initiative die Schweiz zwingen, internationale Abkommen aufzukündigen, darunter das Personenfreizügigkeitsabkommen mit der EU sowie die Genfer Flüchtlingskonvention und weitere Verträge, die Rechte von Migrantinnen und Migranten sowie Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern schützen. HEKS begründet die Ablehnung auch mit demografischen Entwicklungen: Seit Jahren gingen mehr ältere Menschen in den Ruhestand, als junge Menschen in den Arbeitsmarkt einträten. Das führe bereits heute zu Lücken in Branchen wie Pflege, Bau, Landwirtschaft und Gastronomie.
Besonders kritisch beurteilt HEKS die möglichen Folgen für den Flüchtlingsschutz. Die Initiative hätte «massive Folgen für den Schutz von Geflüchteten», so die Mitteilung. Genannt werden unter anderem Einschränkungen beim Familiennachzug sowie der Verlust von Perspektiven für einen dauerhaften Aufenthalt – auch bei guter Integration, Erwerbsarbeit oder Schulbesuch. HEKS spricht in diesem Zusammenhang von einer Verletzung grundlegender Menschenrechte, insbesondere des Rechts auf Familienleben. Zugleich verweist die Organisation darauf, dass Geflüchtete nur einen kleinen Anteil an der ständigen Wohnbevölkerung ausmachten; deshalb würden die im Asylbereich vorgesehenen Massnahmen das Bevölkerungswachstum kaum bremsen.
HEKS anerkennt in der Stellungnahme, dass Zuwanderung Herausforderungen mit sich bringe, betont aber, dass die Vorteile einer menschenrechtskonformen Migration überwögen. Als Praxisbezug nennt die Organisation ihre Programme, in denen Schweizerinnen und Schweizer, Migrantinnen und Migranten sowie Geflüchtete zusammenarbeiteten. Für vertiefte Argumente verweist HEKS auf das «umfassende Argumentarium» der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) gegen die Initiative.
