Hohe Grundkompetenzen zahlen sich im Beruf aus

11. Sep. 2025

Wer gut liest, rechnet und Probleme löst, ist in der Schweiz besser im Arbeitsmarkt verankert – mit messbaren Effekten auf Einkommen und Weiterbildung.

Das Bundesamt für Statistik BFS legt neue Auswertungen vor. Der Befund ist deutlich: «Personen mit hohen Kompetenzen im Lesen, in der Alltagsmathematik und im Problemlösen sind besser in den Arbeitsmarkt integriert», so eine Medienmitteilung. Erwerbstätige erreichen deutlich häufiger die oberen Kompetenzniveaus als Erwerbslose oder Nichterwerbspersonen; umgekehrt ist der Anteil geringer Kompetenzen bei den ausserhalb des Arbeitsmarkts stehenden Gruppen fast doppelt so hoch, heisst es weiter. Acht von zehn Erwerbstätigen verfügen im Lesen (81 %), in der Alltagsmathematik (85 %) und im Problemlösen (79 %) über mindestens mittlere Kompetenzen.

Die vertiefte Analyse des BFS zeigt zudem einen engen Zusammenhang zwischen Kompetenz und Erwerbsbeteiligung: Wer auf dem höchsten Niveau des adaptiven Problemlösens liegt, hat eine deutlich höhere Chance, am Arbeitsmarkt teilzunehmen, als Personen auf den tiefsten Niveaus. Bei längeren Nichterwerbsphasen (drei bis fünf Jahre) steigt der Anteil geringer Kompetenzen stark an – etwa in der Lesekompetenz auf 38,7 % gegenüber 19,8 % bei durchgehend Erwerbstätigen. Solche Muster stützen die Aussage, dass die getesteten Grundkompetenzen berufliche Integration begünstigen.

Auch beim Lohn macht sich das bemerkbar. «Gutverdienende Personen verfügen im Allgemeinen über höhere Kompetenzen als Geringverdienende», hält die Medienmitteilung fest. In der Alltagsmathematik erreichen 43,3 % der Erwerbstätigen im obersten Lohndezil die höchsten Niveaus, im untersten sind es 4,8 % bis 11 % – je nach Darstellung der Quelle. Eine Regressionsanalyse des BFS beziffert den Zusammenhang präzise: «Ein Prozentpunkt mehr bei der Lesekompetenz erhöht das Einkommen um 0,1 %.»

Bemerkenswert ist ferner, dass sich hohe Kompetenzen nicht automatisch mit Vollzeitpensen oder Führungsfunktionen decken. Während Personen mit Leitungsverantwortung im Durchschnitt höhere Werte aufweisen, findet sich in den Modellen kein eigenständiger, durchgängig signifikanter Effekt der Kompetenzniveaus auf die Wahrscheinlichkeit, vollzeitbeschäftigt zu sein. Prägend wirken vielmehr Variablen wie Geschlecht, Kinderbetreuung und Migrationsprofil.

Die Ergebnisse unterstreichen auch die Bedeutung fürs lebenslange Lernen. Bessere Kompetenzen und Weiterbildung gehen Hand in Hand: 66 % der Personen mit hohem Niveau in mindestens einem Bereich haben in den zwölf Monaten vor der Erhebung eine Weiterbildung besucht, gegenüber 30 % der Personen mit tiefem Niveau. Besonders ausgeprägt ist die Teilnahme bei Tertiärabsolventinnen und -absolventen (62 %), während sie bei Personen ohne nachobligatorische Ausbildung bei 24 % liegt. Grössere Unternehmen und Führungsaufgaben erhöhen die Teilnahmechancen zusätzlich.

In der Summe weisen die Schweizer PIAAC-Ergebnisse darauf hin, dass Lesen, Alltagsmathematik und adaptives Problemlösen zentrale Komponenten des Humankapitals sind – mit direkten Effekten auf Arbeitsmarktfähigkeit, Einkommen und Weiterbildungsbereitschaft. Das BFS sieht darin eine klare Handlungsrichtung: Kompetenzen erhalten und ausbauen, damit berufliche Chancen für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wachsen und die Integration in den Arbeitsmarkt gelingt.