Humanitärer Korridor für gefährdete Frauen: Französische Kirchen stärken Schutz für Menschenrechtsverteidigerinnen

1. Juni 2026

Ein neues Aufnahmeprogramm soll bedrohten Aktivistinnen, Journalistinnen und Vereinsleiterinnen aus dem Libanon einen sicheren Weg nach Frankreich eröffnen.

Die französische Fédération de l’Entraide Protestante (FEP), Mitglied des gesamteuropäischen Diakonie-Dachverbands Eurodiaconia, hat Ende Mai in Paris das Projekt «Femmes Exilées Engagées» vorgestellt. Das neue Programm richtet sich gezielt an Frauen, die sich für Menschenrechte, gesellschaftliche Teilhabe oder zivilgesellschaftliches Engagement einsetzen und deshalb in ihren Herkunftsländern Gefahren ausgesetzt sind. Es baut auf den seit neun Jahren bestehenden humanitären Korridoren zwischen dem Libanon und Frankreich auf.

Vorgestellt wurde das Projekt am 27. Mai im Maison du Protestantisme in Paris. Es handelt sich um die erste Spezialisierung des bisherigen Programms der FEP und der Fédération Protestante de France (FPF), das seit 2017 Schutzsuchenden eine sichere und legale Einreise nach Frankreich ermöglicht. Damals hatten die beiden Organisationen gemeinsam mit der Gemeinschaft Sant’Egidio, der Französischen Bischofskonferenz und Secours Catholique–Caritas France ein Abkommen unterzeichnet, das zunächst 500 Visa für im Libanon gestrandete Menschen aus Syrien und dem Irak vorsah. Während der französische Staat die Visa bereitstellte, übernahmen die beteiligten Organisationen Aufnahme, Begleitung und Unterstützung bei der Integration. Das Abkommen wurde 2021 und erneut 2025 verlängert. Seit 2017 konnten auf diesem Weg nahezu 500 Menschen nach Frankreich gelangen.

Mit «Femmes Exilées Engagées» soll nun während der kommenden drei Jahre insgesamt 30 Frauen mit ihren Familien die Aufnahme ermöglicht werden. Zielgruppe sind insbesondere Aktivistinnen, Journalistinnen und Leiterinnen von Organisationen, deren öffentliches Engagement sie gefährdet hat. Gemäss Mitteilung wurde das Programm gemeinsam mit Frauen entwickelt, die selbst Erfahrungen von Flucht und Exil gemacht haben. Dabei gehe es nicht nur um Schutz, sondern auch darum, den Betroffenen die Fortsetzung ihres gesellschaftlichen Engagements zu ermöglichen.

An der Vorstellung des Projekts berichteten vier Frauen, die bereits über frühere humanitäre Korridore nach Frankreich gekommen waren, von ihren Erfahrungen. Mit ihren Beiträgen und künstlerischen Darbietungen hätten sie das Publikum auf die Aufnahme weiterer Teilnehmerinnen vorbereitet, so die Mitteilung. Dabei betonten sie: «Wir sind keine Opfer, wir sind starke Stimmen der Hoffnung.»

Eurodiaconia hebt hervor, dass das Modell Schutz und Integration von Beginn an miteinander verbinde. Die Unterstützung umfasse rechtliche und administrative Begleitung, Hilfe beim Zugang zum Arbeitsmarkt sowie die Begleitung durch zivilgesellschaftliche Netzwerke während der ersten Jahre in Frankreich. Das Projekt reagiere damit auch auf Herausforderungen, die Eurodiaconia im Rahmen ihrer Kampagne «Faces Behind the Cases» dokumentiert habe. Diese hatte laut Mitteilung aufgezeigt, dass viele Migrantinnen in Europa trotz politischer Integrationsziele weiterhin auf erhebliche Hürden stossen.

Nach Einschätzung der Organisatoren zeigen die mehrfach verlängerten Vereinbarungen der vergangenen Jahre, dass humanitäre Korridore ein tragfähiges Modell für Schutz, Aufnahme und gesellschaftliche Teilhabe sein können. Das neue Programm wolle diesen Ansatz gezielt für Frauen weiterentwickeln, die sich trotz Verfolgung und Exil weiterhin für Menschenrechte und gesellschaftlichen Wandel einsetzen.