Mehr als zwei Drittel der von den Vereinten Nationen untersuchten schwangeren und stillenden Frauen im Gazastreifen brauchen zusätzliche Ernährungshilfe, wie Save the Children mitteilt. Einige Mütter berichteten der Kinderrechtsorganisation, sie gäben ihren Babys Wasser mit gemahlenen Kichererbsen oder Tahini, einer Sesampaste. Sie könnten nicht ausreichend stillen, während andere Lebensmittel fehlten oder für die Familien nicht bezahlbar seien.
Mindestens 13 Prozent der Mütter im Gazastreifen hätten Schwierigkeiten beim Stillen, so die Mitteilung unter Verweis auf Angaben der Vereinten Nationen. Anhaltende Kampfhandlungen und Vertreibungen, unsichere Lebensbedingungen sowie der begrenzte Zugang zu Gesundheitsdiensten verschärften die Lage. Auch frische, nährstoffreiche Lebensmittel, Kochgas und Treibstoff seien vielerorts nur eingeschränkt verfügbar.
Die Ernährungsunsicherheit bleibe hoch, obwohl laut Save the Children vor knapp zehn Monaten eine Waffenruhe in Kraft getreten sei. Die internationale Initiative IPC, die Hungersituationen bewertet, rechne damit, dass bis April 2027 rund 24’600 schwangere und stillende Frauen dringend Ernährungshilfe benötigen werden.
Für Säuglinge sei Stillen unter diesen Bedingungen besonders wichtig, erklärt Mervat, Gesundheits- und Ernährungsberaterin von Save the Children in den besetzten Palästinensischen Gebieten. Muttermilch biete Schutz vor Krankheiten und sei eine verlässliche Nahrungsquelle, wenn sauberes Wasser, Lebensmittel und medizinische Versorgung fehlten. Viele Mütter könnten mit gezielter Beratung und Unterstützung weiter stillen, doch entsprechende Angebote reichten häufig nicht aus.
Gleichzeitig führten Finanzierungslücken dazu, dass Hilfsorganisationen Ernährungs- und Gesundheitsprogramme einschränken müssten. Auch Save the Children habe Teile seiner spezialisierten Angebote für Mütter und Kinder wegen internationaler Kürzungen zurückfahren müssen. Die Organisation biete im Gazastreifen weiterhin Stillberatung und Ernährungsprogramme an.
Save the Children betreibt nach eigenen Angaben derzeit zwei Gesundheitskliniken und 14 Ernährungsstationen im Gazastreifen. Daneben unterstützt die Organisation Familien mit Angeboten zum Kinderschutz, Bildung und psychosozialer Betreuung – also Hilfe bei psychischen und sozialen Belastungen – sowie mit Wasser-, Sanitär- und Bargeldhilfen.
Die Versorgung von Säuglingen und Müttern zeigt, wie unmittelbar eingeschränkter humanitärer Zugang besonders schutzbedürftige Menschen trifft. Save the Children fordert, Beschränkungen für die Einfuhr und Verteilung humanitärer Hilfe und lebenswichtiger Güter aufzuheben sowie die internationale Finanzierung von Hilfsprogrammen aufzustocken.
