In einem geopolitisch zunehmend fragmentierten Umfeld ist in Genf das fünfte International Cooperation Forum (IC Forum) eröffnet worden. Im Beisein von Bundesrat Ignazio Cassis steht die diesjährige Ausgabe ganz im Zeichen der Zukunft der humanitären Hilfe – und dies vor dem Hintergrund zahlreicher Krisen, stark wachsender Bedürfnisse und gleichzeitig erheblicher Budgetkürzungen.
Wie in der Medienmitteilung festgehalten wird, widmet sich das Forum der „Zukunft der humanitären Hilfe in einem internationalen Kontext, der von zahlreichen Krisen und erheblichen Budgetkürzungen geprägt ist“. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, internationalen Organisationen, Wissenschaft und Privatsektor kommen im Internationalen Konferenzzentrum Genf zusammen, um über notwendige Anpassungen und strategische Perspektiven zu beraten. Bereits am ersten Tag wurde deutlich, wie stark das internationale humanitäre System unter Druck steht: steigende humanitäre Bedürfnisse, zunehmende Einschränkungen beim Zugang zu betroffenen Regionen sowie eine abnehmende Einhaltung des humanitären Völkerrechts prägen die aktuelle Lage.
In seiner Eröffnungsrede sprach Cassis von einem „echten Epochenwechsel“. Das „Recht des Stärkeren“ trete wieder stärker in den Vordergrund, während das multilaterale System zunehmend in Frage gestellt werde. Angesichts knapper Ressourcen gelte es, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: „Wir können nicht alles tun. Wir müssen das Wesentliche tun.“ Humanitäre Hilfe müsse agiler, innovativer und konsequent wirkungsorientiert werden. Gefordert seien „Klarheit. Mut. Und Wirkung.“
Konkret benannte der Vorsteher des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten drei Schwerpunkte: die stärkere Nutzung neuer Technologien wie der Künstlichen Intelligenz, die Einbindung neuer Partner – insbesondere aus dem Privatsektor – sowie eine klare Fokussierung auf jene Bereiche, in denen die Schweiz tatsächlich wirksam sei. „Vielleicht weniger tun – aber besser“, so Cassis. Leitend für das Handeln vor Ort müssten Klarheit, Disziplin und Effizienz sein.
Neben Cassis sprachen auch der UNO-Untergeneralsekretär für humanitäre Angelegenheiten sowie die Direktorin der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit. Zum Abschluss des ersten Tages wurden drei Unternehmen für innovative Ansätze in der Entwicklungszusammenarbeit mit einem IC Award ausgezeichnet, darunter Lösungen zur nachhaltigen Wasseraufbereitung und eine KI-gestützte Plattform zur Förderung von Sprachen.
Am zweiten Forumstag stehen die Perspektiven aus den Einsatzgebieten sowie Lehren aus aktuellen Krisen im Mittelpunkt. Diskutiert werden unter anderem neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Staat, Wissenschaft und Wirtschaft sowie die nachhaltige Wirkung humanitärer Hilfe. Mit seiner fünften Ausgabe bestätigt das IC Forum seine Rolle als Plattform für den strategischen Dialog über die grossen globalen Herausforderungen der internationalen Zusammenarbeit.
