Immer mehr Kinder leben im Krieg – Save the Children warnt vor dramatischem Anstieg von Gewalt und Vernachlässigung

10. Nov. 2025

Ein neuer Bericht der Kinderrechtsorganisation Save the Children zeigt: Noch nie lebten so viele Kinder in bewaffneten Konfliktgebieten wie im Jahr 2024.

Die Kinderrechtsorganisation Save the Children schlägt Alarm: Immer mehr Kinder wachsen in Kriegsgebieten auf und sind in einem Ausmass von Gewalt und Entbehrung betroffen, das neue Rekordwerte erreicht hat. Gemäss dem Bericht „Krieg gegen Kinder“, den Save the Children am 4. November 2025 in Berlin und London veröffentlichte, lebten im Jahr 2024 weltweit rund 520 Millionen Kinder in aktiven Konfliktgebieten – das entspricht mehr als jedem fünften Kind weltweit und bedeutet 47 Millionen mehr als im Vorjahr.

Auch die Zahl der Verbrechen an Kindern in Konflikten sei besorgniserregend gestiegen: 41’763 dokumentierte und bestätigte Fälle bedeuten eine Zunahme um 30 Prozent im Vergleich zu 2023 und den höchsten Wert seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2005. „Immer mehr Kinder sind von bewaffneten Konflikten betroffen und die gezielten Gewalttaten gegen sie nehmen weiter zu. Diese Entwicklung macht deutlich, dass dringend politisch gehandelt werden muss“, sagte Florian Westphal, Geschäftsführer von Save the Children Deutschland. „Gerade in Zeiten globaler militärischer Aufrüstung muss der Schutz von Kindern das zentrale Ziel von Sicherheitspolitik sein. Denn Kinder sind nicht nur besonders verletzlich – sie sind der Schlüssel für langfristigen Frieden und eine gerechtere Zukunft.“

Mehr als die Hälfte aller Verbrechen an Kindern ereignete sich laut Bericht in nur vier Regionen: in den besetzten palästinensischen Gebieten, der Demokratischen Republik Kongo, Nigeria und Somalia. Die Vereinten Nationen definieren Verbrechen an Kindern als Tötung und Verstümmelung, Rekrutierung oder Einsatz durch Streitkräfte, sexualisierte Gewalt, Angriffe auf Schulen und Spitäler, Entführung sowie die Verweigerung humanitärer Hilfe. Besonders betroffen ist der afrikanische Kontinent: 218 Millionen Minderjährige lebten dort 2024 in Konfliktgebieten. Erstmals seit 2007 sei der Anteil betroffener Kinder in Afrika höher als im Nahen Osten.

„Diese Kinder zahlen einen hohen Preis für die Konflikte der Erwachsenen – sie zahlen mit ihrer Zukunft und oft mit ihrem Leben“, erklärte Katharina von Schroeder, Direktorin für Advocacy, Kampagnen und Kommunikation im Länderbüro von Save the Children in der Demokratischen Republik Kongo. „Im Sudan und im Ostkongo werden täglich Verbrechen an Kindern begangen, die lebenslange körperliche und seelische Folgen haben. Doch während die Not wächst, schrumpft die Hilfe. Wir sehen im Ostkongo, was passiert, wenn Projekte wegbrechen: Ein Bildungsprojekt für 12’000 Kinder musste plötzlich eingestellt werden, ein weiteres wurde um ein Jahr gekürzt. Das bedeutet für Kinder nicht nur weniger Bildung, sondern auch weniger Schutz vor Gewalt und ein höheres Risiko von Kinderarbeit oder Frühverheiratung.“

Save the Children ruft Regierungen weltweit dazu auf, das humanitäre Völkerrecht zu achten und den Zugang zu humanitärer Hilfe sicherzustellen. Zudem fordert die Organisation, mehr finanzielle Mittel für Kinderschutz, Bildung und Gesundheit bereitzustellen. „Es ist ein Skandal, dass Staaten mehr Geld für Waffen als für den Schutz von Kindern in Konfliktgebieten ausgeben“, mahnte Westphal. „Investitionen in Gesundheit und Bildung schaffen Perspektiven. […] Gemeinsam müssen wir dafür sorgen, dass nicht Waffen unsere Zukunft bestimmen, sondern Menschlichkeit.“

Mit dem Bericht erinnert die Organisation an ihre Gründung im Jahr 1919 durch die britische Sozialreformerin Eglantyne Jebb, die Kinder in Deutschland und Österreich vor dem Hungertod retten wollte. Heute ist Save the Children die weltweit grösste unabhängige Kinderrechtsorganisation und in rund 120 Ländern aktiv.