Der gesamteuropäische Diakonie-Dachverband Eurodiaconia weist in einem neuen Bericht darauf hin, dass trotz hoher Erwerbsquoten Millionen Menschen in Europa weiterhin von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen sind. Besonders gefährdet seien Personen mit Migrationserfahrung, junge Erwachsene, Menschen mit Behinderungen sowie Menschen in prekären Lebenslagen, so die Mitteilung.
Rund vier Millionen Menschen waren 2024 länger als ein Jahr ohne Arbeit. Die Folge seien laut Bericht häufig «Isolation, soziale Ausgrenzung und Armut» – mit gravierenden Auswirkungen auf Gesundheit, soziale Teilhabe und berufliche Chancen.
Wie die Mitteilung hervorhebt, leisten diakonische und kirchlich geprägte soziale Organisationen einen wesentlichen Beitrag, indem sie individuelle Unterstützung anbieten und Bildungs- sowie Beschäftigungswege gezielt miteinander verbinden. In Deutschland zeigt sich dies etwa im Projekt «Arbeiten und Lernen» der Diakonie Düsseldorf, das Sprachförderung, praktische Arbeitserfahrungen und sozialpädagogische Begleitung kombiniert.
In Portugal setzt das Lisbon Project auf individuelle Beratung, Überarbeitung von Lebensläufen und konkrete Vorbereitung auf den lokalen Arbeitsmarkt. Ein Teilnehmer berichtet, das Programm habe ihm «ein klareres Bild davon vermittelt, was es bedeutet, im […] Sektor zu arbeiten».
Auch für Menschen mit Behinderungen nennt der Bericht innovative Wege. In Finnland unterstützt die Caritas Foundation Personen mit eingeschränkter Erwerbsfähigkeit beim Einstieg ins Arbeitsleben. Die Erfahrungen würden als «sehr gut und hilfreich» beschrieben. In Norwegen begleitet die Organisation Signo hörbehinderte Menschen durch individuelle Standortbestimmungen, Arbeitsversuche und Trainingsphasen und bietet parallel Kurse für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber an.
Für junge Erwachsene, die weder in Ausbildung noch im Arbeitsmarkt Fuss fassen konnten, schildert Eurodiaconia verschiedene Modelle der finnischen Deaconess Foundation. In den Programmen «Duuni tutuksi» und «Vamos» stehen Arbeitsversuche, individuelle Begleitung, Peer-Unterstützung und digitale Coaching-Elemente im Mittelpunkt. In «Vamos» gelang 2024 rund der Hälfte der Teilnehmenden der Übergang in Ausbildung oder Arbeit.
Besonders vielschichtige Herausforderungen haben laut Bericht Menschen, die von sozialer Ausgrenzung betroffen sind. Projekte in Spanien, Serbien und Deutschland zeigen, dass arbeitsmarktorientierte Qualifizierungen, psychosoziale Betreuung und enge Kooperationen mit Unternehmen zentrale Faktoren sind. In Baden-Württemberg unterstützte das Projekt «Future Bonds» der Diakonie Württemberg viele Teilnehmende dabei, persönliche Stabilität zu finden und den Schritt in Arbeit oder Qualifizierung zu schaffen.
Eurodiaconia fordert angesichts dieser Erfahrungen längere und flexiblere Förderzeiträume sowie einen stärkeren Fokus auf ganzheitliche, rechtebasierte Unterstützung. Betroffene sollten aktiv in die Gestaltung ihres eigenen Integrationswegs einbezogen werden. Nur so könne die EU das Ziel erreichen, nachhaltige und gerechte Arbeitsmarktintegration für alle Menschen zu ermöglichen.
