Die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände (SAJV) spricht sich gegen ein generelles Verbot sozialer Netzwerke für Kinder und Jugendliche aus. In einer neuen Stellungnahme zur Regulierung digitaler Plattformen fordert die Dachorganisation stattdessen einen kinderrechtsbasierten Ansatz, der Schutz, Teilhabe und digitale Kompetenzen miteinander verbindet. Die SAJV vertritt 59 Jugendorganisationen und versteht sich als Sprachrohr junger Menschen in der Schweiz.
Ausgangspunkt der Stellungnahme sind zunehmende Sorgen über die Auswirkungen digitaler Plattformen auf Kinder und Jugendliche. Dazu zählen Cybermobbing, Desinformation, gewaltvolle oder sexualisierte Inhalte, suchtfördernde Mechanismen sowie die umfangreiche Sammlung persönlicher Daten. Die Organisation verweist unter anderem auf Zahlen der Weltgesundheitsorganisation, wonach der Anteil Jugendlicher mit problematischer Nutzung sozialer Medien in Europa zwischen 2018 und 2022 von sieben auf elf Prozent gestiegen sei.
Die SAJV erkennt den Handlungsbedarf ausdrücklich an, warnt jedoch vor vereinfachenden Lösungen. Ein generelles Verbot sozialer Netzwerke würde nach ihrer Einschätzung die Verantwortung von den Plattformbetreibern auf junge Nutzerinnen und Nutzer verlagern, ohne die eigentlichen Ursachen der Probleme zu beseitigen. Zudem seien solche Verbote schwer durchsetzbar und könnten Grund- und Kinderrechte berühren.
Gemäss Stellungnahme sind digitale Plattformen heute fester Bestandteil der Lebensrealität junger Menschen. Sie dienten nicht nur der Unterhaltung, sondern auch der Information, dem Lernen, der sozialen Vernetzung sowie der politischen und gesellschaftlichen Beteiligung. Besonders für Jugendliche aus benachteiligten oder marginalisierten Gruppen könnten digitale Räume wichtige Orte der Unterstützung und Gemeinschaft darstellen.
Die Organisation betont, dass digitale Kompetenzen vor allem durch Erfahrung, Begleitung und Reflexion entstünden. Kinder und Jugendliche müssten lernen, Risiken zu erkennen, Desinformation einzuordnen und verantwortungsvoll mit digitalen Medien umzugehen. Dazu brauche es eine Stärkung der Medien- und Digitalkompetenz in Schulen, Jugendorganisationen und Familien sowie niederschwellige Beratungs- und Unterstützungsangebote.
Einen besonderen Schwerpunkt legt die SAJV auf die Verantwortung der Plattformen selbst. Viele Probleme seien eng mit den Geschäftsmodellen sozialer Netzwerke verbunden, die auf Aufmerksamkeit, Datennutzung und möglichst lange Nutzungszeiten ausgerichtet seien. Die Organisation fordert deshalb mehr Transparenz bei Algorithmen, Einschränkungen manipulativer Designs, besseren Datenschutz für Minderjährige, wirksame Meldesysteme sowie eine stärkere Moderation problematischer Inhalte. Zudem unterstützt sie ein Verbot personalisierter Werbung für Minderjährige.
Auch bei Massnahmen zur Alterskontrolle mahnt die SAJV zur Zurückhaltung. Altersüberprüfungen dürften nicht zu einer umfassenden Sammlung persönlicher oder biometrischer Daten führen. Schutzmassnahmen müssten verhältnismässig bleiben und die Privatsphäre respektieren.
Zugleich fordert die Organisation eine stärkere Beteiligung junger Menschen an digitalpolitischen Entscheidungen. Über die digitale Zukunft von Kindern und Jugendlichen solle nicht ohne ihre Mitwirkung entschieden werden. Die SAJV formuliert dies in ihrer Stellungnahme mit dem Grundsatz: «Baut keine digitale Welt für junge Menschen ohne junge Menschen. Baut sie gemeinsam mit ihnen», so die Mitteilung.
Insgesamt plädiert die SAJV für einen Ansatz, der digitale Räume nicht verschliesst, sondern sicherer, transparenter und demokratischer gestaltet. Der Schutz junger Menschen dürfe nicht an deren Ausschluss aus digitalen Räumen gemessen werden, sondern daran, wie gut diese Räume ihre Rechte respektieren und ihre Sicherheit gewährleisten.
