Zum Weltjugendtag für Kompetenzen am 15. Juli rückt Eurodiaconia, der gesamteuropäische Diakonie-Dachverband, die Vorbereitung junger Menschen auf den Arbeitsmarkt in den Mittelpunkt. Unter dem diesjährigen Motto «Kompetenzen für eine gemeinsame Zukunft» gehe es darum, junge Menschen mit Wissen und Fähigkeiten auszustatten, die sie in einer sich wandelnden Welt benötigten, so die Mitteilung. Eurodiaconia betont jedoch, dass Kompetenzentwicklung allein nicht ausreiche.
Europa erlebe einen Arbeitsmarkt im Wandel, geprägt von demografischen Veränderungen und der digitalen Transformation. Um jungen Menschen den Zugang zu guter Arbeit zu eröffnen, seien passende Kompetenzen entscheidend. Gleichzeitig seien in der Europäischen Union elf Prozent der 15- bis 29-Jährigen weder erwerbstätig noch in Ausbildung oder Weiterbildung. Hinter dieser Gruppe stünden sehr unterschiedliche Lebenslagen: Während manche jungen Menschen nur vorübergehend zwischen Ausbildung und Beruf seien, träfen andere auf vielfältige und langfristige Hürden beim Einstieg in den Arbeitsmarkt.
Zu den möglichen Gründen für den Ausschluss von Beschäftigung zählt die Mitteilung einen niedrigen oder mittleren Bildungsabschluss, das Aufwachsen in einem Haushalt mit geringem Einkommen, das Leben in einer ländlichen Region, eine Migrationsgeschichte, eine Behinderung oder psychische Belastungen. Ohne rechtzeitige Unterstützung steige das Risiko einer Langzeitarbeitslosigkeit. Damit verbunden seien der Verlust von Kompetenzen und Selbstvertrauen sowie schwächer werdende soziale und berufliche Netzwerke.
«Die Ausstattung jüngerer Generationen mit den richtigen Kompetenzen muss daher von personalisierten und ganzheitlichen Unterstützungsangeboten begleitet werden», hält Eurodiaconia fest. Diese sollen jungen Menschen ermöglichen, Gelerntes praktisch anzuwenden und nachhaltige berufliche Wege aufzubauen.
Als Beispiele verweist der Dachverband auf Mitgliedsorganisationen in mehreren europäischen Ländern. Die finnische Deaconess Foundation begleitet im Projekt Vamos junge Menschen zwischen 16 und 29 Jahren, die weder in Ausbildung noch in Beschäftigung sind. Jede teilnehmende Person erhalte ein individuelles Coaching durch eine Fachperson für Jugendarbeit; soziale und gesundheitliche Angebote seien in das Programm eingebunden. Im Jahr 2024 wechselte laut Mitteilung die Hälfte der Programmabsolventinnen und -absolventen in eine Ausbildung oder Beschäftigung. Digitale Coaching-Plattformen ermöglichten zudem eine flexiblere Begleitung unabhängig vom Wohnort.
Die Diakonie Kosovo vermittelt in ihrem Trainingszentrum praxisorientierte berufliche Fähigkeiten. Die Kurse würden gemeinsam mit Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern entwickelt und sollten den Bedarf des lokalen Arbeitsmarkts mit den beruflichen Perspektiven der Teilnehmenden verbinden. In Deutschland kombiniert die Diakonie Michaelshoven mit ihrem Angebot «Kooperative Ausbildung U25» praktische Berufserfahrung, individuelles Coaching und die Zusammenarbeit von Bildungsträgern, Betrieben und sozialen Diensten.
Wirksame Unterstützung müsse «persönliche, soziale und strukturelle Hindernisse» berücksichtigen und dürfe sich nicht auf Kompetenzlücken beschränken, so Eurodiaconia. Dieser ganzheitliche Ansatz solle sich auch in europäischen und nationalen Strategien sowie in EU-Förderprogrammen widerspiegeln.
