Mehr als jedes fünfte Kind in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen – 417 Millionen Mädchen und Buben – ist in mindestens zwei lebenswichtigen Bereichen stark benachteiligt. Dazu zählen Bildung, Gesundheit, Wohnsituation, Ernährung, sanitäre Einrichtungen und Wasser. 118 Millionen Kinder leiden unter drei oder mehr dieser Benachteiligungen, 17 Millionen sogar unter vier oder mehr, so der Flagship Report «The State of the World’s Children 2025: Ending Child Poverty – Our Shared Imperative».
«Kinder, die in Armut aufwachsen und denen es an grundlegenden Dingen wie guter Ernährung, angemessenen sanitären Einrichtungen und einer sicheren Unterkunft mangelt, leiden unter verheerenden Folgen für ihre Gesundheit und Entwicklung», sagt UNICEF-Exekutivdirektorin Catherine Russell. Sie erinnert daran, dass Armut die Bildungschancen schmälert, die Lebenserwartung verkürzt und das Risiko für Depressionen und Angstzustände erhöht.
Der Bericht stützt sich auf Daten aus über 130 Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Insgesamt leben demnach 19 Prozent der Kinder weltweit in extremer monetärer Armut, das heisst mit weniger als 3 US-Dollar pro Tag. Fast 90 Prozent dieser Kinder leben in Subsahara-Afrika und Südasien. Gleichzeitig zeigt eine Auswertung von 37 Ländern mit hohem Einkommen, dass dort rund 50 Millionen Kinder – 23 Prozent – in relativer monetärer Armut leben. In Frankreich, der Schweiz und dem Vereinigten Königreich ist die Kinderarmut zwischen 2013 und 2023 um mehr als 20 Prozent gestiegen, während Staaten wie Slowenien mit starken Familienleistungen deutliche Rückgänge verzeichnen.
Zwischen 2013 und 2023 ist der Anteil der Kinder in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen, die in einem oder mehreren Bereichen schwer benachteiligt sind, zwar von 51 auf 41 Prozent gesunken. Doch Konflikte, Klima- und Umweltkrisen, steigende Staatsverschuldung und wachsende technologische Ungleichheiten bremsen den Fortschritt. Besonders gravierend wirken sich laut UNICEF drohende Kürzungen der öffentlichen Entwicklungszusammenarbeit aus: Schätzungen zufolge könnten sie bis 2030 zum Tod von 4,5 Millionen Kindern unter fünf Jahren führen und bis nächstes Jahr zusätzlich sechs Millionen Kinder vom Schulbesuch ausschliessen.
Gleichzeitig macht der Bericht Beispiele für wirksame Gegenstrategien sichtbar. So konnte Tansania die multidimensionale Kinderarmut seit 2000 um 46 Prozentpunkte senken, unter anderem dank staatlicher Zuschüsse und direkter Geldleistungen an ärmere Haushalte. Bangladesch verzeichnete im gleichen Zeitraum einen Rückgang um 32 Prozentpunkte, gestützt auf Investitionen in Bildung, Stromversorgung, Wasser- und Sanitärinfrastruktur.
UNICEF fordert Regierungen, Parlamente sowie internationale Organisationen und Unternehmen auf, Kinderrechte konsequent ins Zentrum der Armutsbekämpfung zu stellen. Dazu gehören eine klare politische Priorität für die Beendigung der Kinderarmut, kindgerechte Wirtschafts- und Budgetpolitik, der Ausbau sozialer Sicherungssysteme, der Zugang zu grundlegenden öffentlichen Dienstleistungen und menschenwürdige Arbeit für Eltern und Betreuungspersonen. «Schon vor der globalen Finanzierungskrise waren viel zu viele Kinder ihrer Grundbedürfnisse beraubt – und nun droht die Situation erheblich schlimmer zu werden», warnt Russell. «Dies ist nicht der Moment, um sich zurückzuziehen. Jetzt gilt es, auf den über Jahre erzielten Fortschritten aufzubauen.»
