Keine Reform ohne Inklusion: Diakonie Österreich fordert klare Standards für den Kindergarten

21. Jan. 2026

Zum Tag der Elementarpädagogik mahnt die Diakonie Österreich, dass jede Kindergartenreform Inklusion verbindlich verankern muss.

Anlässlich des Tags der Elementarpädagogik am 24. Januar 2026 hat die Diakonie Österreich eine klare Forderung an die Politik gerichtet: Geplante Reformen im Kindergartenbereich können nur dann zukunftsfähig sein, wenn Inklusion darin verbindlich verankert wird. Hintergrund ist die aktuelle Reformpartnerschaft, in deren Rahmen sich Bundesminister Wiederkehr für bundesweit einheitliche Standards im Kindergarten ausgesprochen hat. Die Diakonie begrüsst dieses Vorhaben grundsätzlich, warnt jedoch davor, Kinder mit Behinderungen erneut zu übersehen, so die Mitteilung.

Konkret verweist die Diakonie auf bestehende strukturelle Benachteiligungen. So warteten allein in Wien über 1000 Kinder mit Behinderungen auf einen geeigneten Kindergartenplatz. Zudem seien Kinder mit Behinderungen teilweise vom letzten verpflichtenden Kindergartenjahr ausgeschlossen, was zur Folge habe, dass Eltern – überwiegend Mütter – ihre Erwerbstätigkeit unterbrechen müssten. Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser betont gemäss Mitteilung: „Dass zum Beispiel in Wien über 1000 Kinder mit Behinderungen auf einen Kindergartenplatz warten, Kinder mit Behinderungen vom letzten verpflichtenden Kindergartenjahr ausgeschlossen werden und Eltern – vorwiegend Mütter – immer wieder zu Hause bleiben müssen, weil ihr Kind keinen entsprechenden Platz bekommen muss die Politik interessieren.“ Gleichzeitig erinnert sie daran, dass Österreich sich mit der Unterzeichnung der UN-Behindertenrechtskonvention im Jahr 2017 verpflichtet habe, jedem Kind den Anspruch auf Bildung zu garantieren. Gerade im Bereich der inklusiven Bildung bestehe jedoch weiterhin erheblicher Nachholbedarf.

Die Diakonie unterstreicht ihre Position mit Verweis auf internationale Erkenntnisse. Ein Bericht der UNESCO halte fest, dass inklusive frühkindliche Einrichtungen positive Effekte auf alle Kinder hätten, da sie frühe Erfahrungen mit Vielfalt, Teilhabe und sozialer Interaktion ermöglichten. Vor diesem Hintergrund betont Moser: „Inklusive Bildung ist gute Bildung – und zwar für alle Kinder, mit und ohne Behinderung.“

Abschliessend weist die Diakonie auf Defizite in der aktuellen Praxis hin. Die sehr unterschiedlichen Regelungen in den Bundesländern, eine lückenhafte Datenlage sowie eine unzureichende wissenschaftliche Erforschung inklusiver Settings zeigten, dass das Thema bislang zu wenig Aufmerksamkeit erhalten habe. Nur wenn Inklusion im Kindergarten vom Ausnahmefall zur Selbstverständlichkeit werde, könne Österreich seinem Bildungsauftrag gegenüber allen Kindern gerecht werden, so die Diakonie abschliessend.