Kinderschutz Schweiz fordert stärkeren Schutz vor Deepfakes und digitaler Gewalt

11. Juni 2026

Die nationale Meldestelle clickandstop.ch verzeichnet mehr Meldungen zu digitaler sexualisierter Gewalt. Kinderschutz Schweiz fordert deshalb politische Massnahmen gegen Deepfakes und KI-Missbrauch.

Die Zahl der Meldungen zu digitaler sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen nimmt in der Schweiz zu. Besonders Fälle von Sextortion, Cybermobbing und KI-generierten Nacktbildern beschäftigen die nationale Melde- und Beratungsstelle clickandstop.ch, die von Kinderschutz Schweiz gemeinsam mit der Guido Fluri Stiftung betrieben wird. Vor dem Hintergrund der laufenden politischen Debatte über Deepfake-Anwendungen fordert die Organisation einen besseren Schutz von Kindern und Jugendlichen im digitalen Raum.

Anlass für die aktuelle Stellungnahme ist unter anderem die Petition «Deepfakes & Digitale Gewalt: Herr Bundesrat Jans, schützen Sie uns!», deren Trägerschaft Anfang Juni 25’000 Unterschriften an den Bund übergeben hat. Die Petition kritisiert, dass der Entwurf des Bundesgesetzes über Kommunikationsplattformen und Suchmaschinen (KomPG) aus Sicht der Initiantinnen und Initianten keine ausreichenden Schutzmechanismen gegen Deepfakes und digitale sexualisierte Gewalt vorsieht. Kinderschutz Schweiz unterstützt diese Forderungen und begrüsst politische Bestrebungen, den Schutz von Kindern und Jugendlichen im digitalen Raum auszubauen.

Die Organisation verweist auf die zunehmende Verbreitung entsprechender Inhalte weltweit. So untersuchte die Internet Watch Foundation (IWF) im Jahr 2025 mehr als 312’000 Fälle von Darstellungen sexueller Gewalt an Kindern und erreichte damit einen neuen Höchststand. Gleichzeitig verschärften neue technologische Möglichkeiten die Situation. Die IWF registrierte über 3’400 KI-generierte Missbrauchsvideos von Kindern und damit mehr als 260-mal so viele wie im Vorjahr, wie aus der Mitteilung hervorgeht.

Kinderschutz Schweiz spricht sich deshalb dafür aus, dass das Parlament die Motion «Grok und sexualisierte Deepfakes. Jetzt handeln!» annimmt. Regula Bernhard Hug, Direktorin von Kinderschutz Schweiz, fordert verbindliche Vorgaben für Anbieterinnen und Anbieter von KI-Modellen. «Die Anbieter:innen von KI-Modellen müssen verpflichtet werden, die Risiken ihrer Modelle zu analysieren und mit passenden Massnahmen zu minimieren. Minderjährige nach Belieben virtuell auszuziehen, gehört nicht zu einem freien Internet», wird sie in der Mitteilung zitiert.

Eine zentrale Rolle spielt dabei die Plattform clickandstop.ch. Ursprünglich als Meldestelle für pädokriminelle Inhalte gegründet, hat sie sich in den vergangenen Jahren zur nationalen Melde- und Beratungsstelle für digitale sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen entwickelt. Die Plattform unterstützt Betroffene, Angehörige, Sorgeberechtigte und Fachpersonen und vermittelt Hilfe bei entsprechenden Vorfällen.

Rückendeckung erhält das Angebot auch vom Bundesrat. In seiner Antwort auf die Motion «Nationale Meldestelle für digitale Gewalt» verweist die Landesregierung ausdrücklich auf clickandstop.ch und bezeichnet die Plattform als wichtige Ergänzung bestehender Strukturen. Hervorgehoben wird dabei die Zusammenarbeit zwischen fedpol, den Kantonspolizeien und Kinderschutz Schweiz. Regula Bernhard Hug sieht darin eine Bestätigung des bisherigen Weges. «Die Antwort des Bundesrates bestätigt die Bedeutung einer national verankerten und fachlich abgestützten Anlaufstelle. Dies ermöglicht es uns, clickandstop.ch konsequent weiterzuentwickeln und Kinder und Jugendliche auch künftig wirksam vor digitaler sexualisierter Gewalt zu schützen», so die Direktorin gemäss Mitteilung.