Europa erwärmt sich laut Eurodiaconia schneller als jeder andere Kontinent. Der europäische Zusammenschluss von Kirchen und christlichen Sozialorganisationen verweist auf einen Sommer mit Hitzewellen, Waldbränden, Dürren und tiefen Wasserständen. Diese Entwicklung bedrohe nicht nur Natur und Artenvielfalt, sondern zunehmend auch Gesundheit, Wohnen und Einkommen vieler Menschen.
Die Folgen seien ungleich verteilt. Ältere Menschen und Menschen in vulnerablen Situationen, also Personen, die wegen Armut, Krankheit, Alter oder anderer Belastungen besonders gefährdet sind, seien bei extremer Hitze besonders stark gefährdet. Eurodiaconia verweist auf Berichte, wonach in Europa im Sommer mehr als 35’000 Menschen an den Folgen der Hitze gestorben seien. Pflegeeinrichtungen und Spitäler böten dabei nicht immer ausreichenden Schutz, wenn Kühlsysteme fehlten.
Besonders schwierig werde Hitze in schlecht isolierten oder ungeeigneten Wohnungen. Haushalte mit geringem Einkommen könnten sich Verbesserungen wie eine energetische Sanierung, erneuerbare Energieanlagen oder eine Kühlung oft nicht leisten. Steigen nach einer Sanierung die Mieten, könne dies die Belastung zusätzlich erhöhen.
Auch Wasserknappheit und Dürre treiben nach Darstellung von Eurodiaconia die Preise, insbesondere für Lebensmittel und Energie. Gerade diese Ausgaben lassen sich im Alltag kaum vermeiden. Weil einkommensschwache Haushalte einen grösseren Anteil ihres verfügbaren Geldes dafür aufwenden, trifft sie die Teuerung stärker.
Soziale Dienste versuchten, Menschen zu entlasten, etwa durch Kühlsysteme, den Umstieg auf erneuerbare Energie oder die Unterstützung lokaler Lebensmittelversorgung. Dafür fehlten gemeinnützigen Anbietern jedoch häufig verlässliche und ausreichend flexible Finanzierungen. Auch unklare gesetzliche Vorgaben und hoher Verwaltungsaufwand erschwerten solche Massnahmen.
Eurodiaconia verlangt eine sozial gerechte ökologische Umstellung: Menschen mit wenig Einkommen sollen gezielt bei energetischen Sanierungen, erneuerbarer Energie und bezahlbarem Wohnraum unterstützt werden. Zudem brauche es eine dauerhafte Finanzierung sozialer Dienste. Für die Diakonie ist dies besonders relevant, weil sie Menschen begleitet, die von steigenden Lebenshaltungskosten und gesundheitlichen Folgen von Extremwetter oft zuerst und am stärksten betroffen sind.
Der Verband fordert zudem, Einnahmen aus dem geplanten europäischen Emissionshandel für Gebäude und Verkehr in den Sozialen Klimafonds zu leiten. Dieser Fonds soll Haushalte unterstützen, die den Übergang zu klimafreundlicherem Wohnen und Mobilität sonst nicht finanzieren könnten. Klimaschutz und Anpassung an die Folgen der Erderwärmung müssten nach Ansicht von Eurodiaconia zusammen gedacht werden, damit die ökologische Umstellung vulnerable Menschen schützt statt zusätzlich belastet.
