Mehr als 800’000 ältere Menschen vermissen zumindest manchmal Gesellschaft

2. Okt. 2026

Eine Befragung von Pro Senectute Schweiz zeigt: Die meisten Menschen ab 60 Jahren sind sozial gut eingebunden. Dennoch vermissen 36 Prozent zumindest gelegentlich Gesellschaft; besonders betroffen sind Verwitwete, Geschiedene, Getrennte und Menschen mit tiefem Einkommen.

In der Schweiz wünschen sich hochgerechnet mehr als 800’000 Menschen ab 60 Jahren zumindest manchmal mehr Gesellschaft. Rund 140’000 von ihnen vermissen diese häufig. Das geht aus der repräsentativen Befragung «Beziehungen im Alter» von Pro Senectute Schweiz hervor.

Die Ergebnisse unterscheiden zwischen Alleinsein und Einsamkeit. Allein zu leben, bedeutet demnach nicht automatisch, sich einsam zu fühlen. Viele Menschen ohne Partnerin oder Partner wünschen keine neue Partnerschaft: Rund die Hälfte der Alleinstehenden schliesst eine solche grundsätzlich aus. Alleinsein kann somit auch Ausdruck einer selbstbestimmten Lebensgestaltung sein.

Insgesamt ist die soziale Einbindung im Alter laut Befragung hoch. 71 Prozent der befragten Personen ab 60 Jahren leben in einer Partnerschaft. Von diesen Beziehungen bestehen 83 Prozent seit mehr als 20 Jahren, fast jede zweite seit über 40 Jahren.

Die Befragung weist jedoch auf Unterschiede je nach Lebenssituation hin. Von den verheirateten Personen vermissen 69 Prozent fast nie Gesellschaft. Bei Verwitweten liegt dieser Anteil bei 51 Prozent. Häufig fehlende Gesellschaft nennen 11 Prozent der Verwitweten, gegenüber 3 Prozent der Verheirateten. Auch geschiedene und getrennt lebende Personen berichten häufiger von Gefühlen des Ausgeschlossenseins.

Zudem zeigt die Untersuchung einen Zusammenhang zwischen tiefem Einkommen und Einsamkeit. Die Resultate legen damit nahe, dass nicht das Alter allein ausschlaggebend ist, sondern insbesondere Verluste, Trennungen und die finanzielle Lage. Für die soziale und diakonische Arbeit unterstreicht dies die Bedeutung von Angeboten, die Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen erreichen.

Pro Senectute nennt Freundschaften, Familie, Nachbarschaft, Vereine und freiwilliges Engagement als wichtige Quellen sozialer Zugehörigkeit. Nach Ansicht der Organisation braucht es einfache und bezahlbare Möglichkeiten für Begegnung, Austausch und gemeinsame Aktivitäten. Dazu zählen Beratungen, Gruppenangebote und Treffpunkte.

Für die Befragung antworteten 1’051 Personen ab 60 Jahren in der Schweiz. Die Erhebung wurde im Auftrag von Pro Senectute Schweiz durch gfs-zürich durchgeführt.