Rund 80 Prozent der befragten Millionärinnen und Millionäre sind der Ansicht, dass Superreiche politischen Einfluss kaufen. Zu diesem Ergebnis kommt eine internationale Umfrage unter vermögenden Personen in den G20-Staaten, die im Auftrag der Organisation Patriotic Millionaires durchgeführt und von Oxfam Deutschland veröffentlicht wurde. Die Erhebung wurde zwischen Ende Dezember 2025 und Mitte Januar 2026 vom Meinungsforschungsinstitut Survation durchgeführt. Insgesamt nahmen 3900 Personen mit einem Vermögen von über einer Million US-Dollar – ohne Immobilien – teil.
Laut der Mitteilung sagen 77 Prozent der Befragten, dass extrem wohlhabende Personen politischen Einfluss kaufen. 81 Prozent sind der Ansicht, dass Superreiche durch ihren Reichtum Zugang zu Politikerinnen und Politikern erhalten können. 71 Prozent glauben zudem, dass Menschen mit extrem grossen Vermögen Wahlausgänge massgeblich beeinflussen können. 62 Prozent halten extremen Reichtum für eine Bedrohung der Demokratie.
Die Umfrage wurde während des Weltwirtschaftsforums in Davos veröffentlicht. Gemeinsam mit Oxfam legten die Patriotic Millionaires einen offenen Brief von rund 400 Millionärinnen und Millionären aus 24 Ländern vor. Darin fordern sie politische Massnahmen gegen die extreme Vermögenskonzentration sowie eine stärkere Besteuerung sehr grosser Vermögen. Zu den Unterzeichnenden gehören unter anderem der US-amerikanische Schauspieler und Regisseur Mark Ruffalo sowie der deutsche Unternehmer Sebastian Klein, so die Meldung.
Amitabh Behar, Geschäftsführer von Oxfam International, erklärte: „Im vergangenen Jahr war der Anstieg des Vermögens von Milliardär*innen beispiellos. Den Superreichen wird völlig freie Hand gelassen. Es ist kaum zu begreifen, dass das reichste Prozent inzwischen dreimal so viel besitzt wie das gesamte öffentliche Vermögen der Welt zusammen. Das verdeutlicht, wie absurd groß die Kluft zwischen Superreichen und dem Rest der Menschheit geworden ist. Regierungen müssen jetzt Steuern für die Superreiche einführen und der Verringerung von Ungleichheit höchste Priorität einräumen. Die Welt kann diesen gefährlichen Kurs nicht fortsetzen.“
Auch zur politischen Regulierung äussern sich die Befragten deutlich. 82 Prozent sprechen sich für eine Obergrenze bei Parteispenden und politischen Zuwendungen aus. 61 Prozent vertreten die Auffassung, politische Führungspersonen sollten mehr gegen extreme Vermögenskonzentration unternehmen. Eine Mehrheit von 65 Prozent befürwortet höhere Steuern für sehr wohlhabende Personen, um öffentliche Dienstleistungen zu finanzieren und die Lebenshaltungskostenkrise zu bewältigen. 63 Prozent unterstützen gemäss der Umfrage sogar eine globale Vermögenssteuer von zwei Prozent auf Multimillionen- und Milliardenvermögen.
Die Befragten sehen auch konkrete Auswirkungen politischer Entwicklungen. Sechs von zehn Millionärinnen und Millionären geben an, die Präsidentschaft von Donald Trump habe sich negativ auf die globale wirtschaftliche Stabilität ausgewirkt. 58 Prozent sehen negative Folgen für die Bezahlbarkeit des Alltags für breite Bevölkerungsschichten.
Die Datengrundlage zur globalen Vermögensverteilung stützt sich laut Oxfam auf die World Inequality Database. Demnach belief sich das Gesamtvermögen des reichsten Prozent im Jahr 2024 auf 223 Billionen US-Dollar, während das weltweite Nettovermögen des öffentlichen Sektors bei rund 70 Billionen US-Dollar lag.
Die Initiantinnen und Initianten des offenen Briefs fordern vor diesem Hintergrund politische Schritte gegen wachsende Ungleichheit. Ziel sei es, demokratische Institutionen zu stärken und öffentliche Handlungsfähigkeit zu sichern, so die Mitteilung.
