Nachwuchsförderung Sozialdiakonie
Informationen für ArbeitgebendeDiakonie erlebbar machen – attraktive Anstellungsbedingungen gestalten.
Kurzüberblick
Diese Seite bündelt praxisnahe Ansätze, wie Kantonalkirchen und Kirchgemeinden Nachwuchs für die Sozialdiakonie gewinnen können – vom ersten Kontakt bis zu tragfähigen Anstellungsbedingungen.
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Unterlagen & Beispiele (Bot)
Der Bot enthält zahlreiche Unterlagen und Beispiele aus Kantonalkirchen (Materialien, Modelle, Regelungen, Good Practices).
Tipp: Nutzen Sie die Beispiel-Fragen in den Akkordeons als Startpunkt.
Diakonie erlebbar machen
Nachwuchsförderung beginnt dort, wo Menschen Sozialdiakonie konkret erleben – nicht nur davon hören. Begegnungsformate und gute Brücken zu Ausbildungsstätten machen Diakonie sichtbar, erlebbar und als berufliche Perspektive anschlussfähig.
1. Begegnung schafft Berufung
Worum es geht: Die überzeugendste Nachwuchswerbung entsteht dort, wo Menschen Diakonie live erfahren – an öffentlichen Anlässen und in echten Mitwirkungsrollen.
Begegnung nach aussen
- Präsenz an Berufs- und Bildungsmessen sowie an öffentlichen Anlässen
- Mitmach-Formate am nationalen Zukunftstag (praxisnah, niedrigschwellig)
- Einblicke, die auch Personen erreichen, die bisher wenig Kirchenbezug haben
Begegnung nach innen
- Schnupperangebote & Orientierungspraktika (1 Tag bis mehrere Wochen)
- Engagements in Jugend- und Freiwilligenarbeit – mit klaren Aufgaben
- Mitwirkungs- und Mitleitungsaufgaben: Diakonie nicht nur beobachten, sondern mitgestalten
Kommunikation, die ankommt
- Social Media, kurze Videos und kompakte Flyer – konkret, authentisch, menschen-nah
- Klare Zuständigkeiten und bewusst gesprochene Ressourcen durch die Kirchenleitung
Bot-Fragen (Beispiele):
- Welche Kantonalkirchen sind an Berufsmessen präsent – und wo finde ich Material dazu?
- Welche Kirchen bieten Schnupperangebote oder Orientierungspraktika an?
- Gibt es Beispiele für Social-Media-Auftritte zur Nachwuchsförderung?
2. Brücken bauen zu Ausbildungsstätten
Worum es geht: In der Deutschschweiz baut Sozialdiakonie auf sozialfachliche Ausbildungen auf. Studierende und Absolvent:innen sozialer Berufe bringen viel mit – kennen das kirchliche Arbeitsfeld aber oft kaum.
So werden Ausbildungsstätten zu Partnerinnen
- Stellen- und Praktikumsangebote gezielt auf Plattformen von Ausbildungsstätten platzieren
- Systematischen Austausch mit Dozierenden pflegen (Fachgespräche, Einladungen, Hospitationen)
- Gemeinsame Projekte und Lehrformate entwickeln, die Ausbildung und diakonische Praxis verbinden
- Wertschätzung sichtbar machen: Preise, Förderbeiträge oder (Teil-)Finanzierung für Studierende
Bot-Frage (Beispiel):
- Welche Kirchen sind auf Plattformen für Stellen- und Praktikumsangebote präsent – und wie sehen Austausch & Kooperation konkret aus?
Ein Tag im Leben…
Attraktive Anstellungsbedingungen gezielt gestalten – Hebel der Nachwuchsförderung
Sichtbarkeit ist wichtig – aber Nachwuchs gewinnt man langfristig nur, wenn die Anstellungsbedingungen zu den Lebensrealitäten heutiger Fachpersonen passen. Kirchenleitungen können an vier zentralen Hebeln ansetzen:
- konkurrenzfähiges Gehalt
- attraktive und tragfähige Stellenpensen
- förderliche Stellenrahmenbedingungen
- Mitfinanzierung von Ausbildungsstellen und Stipendien
Im Folgenden finden Sie zu jedem Hebel praxisnahe Hinweise und erprobte Beispiele aus Kantonalkirchen.
1. Konkurrenzfähiges Gehalt
Worum es geht: Sinn stiftet – aber Lohn zählt. Gerade im Fachkräftemangel entscheidet auch die finanzielle Attraktivität mit, ob sozialfachlich ausgebildete Personen sich für eine kirchliche Anstellung interessieren.
Was lohnt sich zu prüfen?
- Lohnklassen & Einstufung (Abschluss, Funktion, Verantwortung)
- Lohnaufstieg (Stufen, Erfahrungsjahre, Transparenz)
- Nebenleistungen: Pensionskasse, Weiterbildung, Zulagen
- Vergleich mit dem sozialfachlichen Bereich (kantonale Empfehlungen, Leitfäden)
Als Referenz wird häufig der Leitfaden «Leitfaden «Löhne in der Sozialen Arbeit»» von AvenirSocial genutzt.
Praxisbeispiel: Kanton Aargau
Eine exemplarische Gegenüberstellung zeigt: Sozialdiakonische Einstufungen können im Vergleich zur Sozialpädagogik attraktiv wirken, liegen gegenüber Sozialarbeit (FH/Uni) jedoch teils im unteren Bereich. Der Prüfauftrag lautet deshalb: Wie konkurrenzfähig sind wir für Personen mit höheren Bildungsabschlüssen?
Eine solche Analyse sei hier exemplarisch am Beispiel des Kantons Aargau dargestellt:
- Die kantonalen Empfehlungen des Kantons Aargau umfassen für den sozialfachlichen Bereich zwei unterschiedliche Positionen, zum Einen die/den Sozialpädagog*in sowie zum Anderen die/den Sozialarbeiter*in. Die Einstufungen liegen in den Gehaltsstufen 8-11 (Sozialpädagog*in) bzw. 10-14 (Sozialarbeiter*in), wobei für die genaue Einreihung Faktoren wie die Ausbildungshintergründe und allfällige Hierarchiestufen eine Rolle spielen.
- Die Reformierte Kirche Aargau hat die Gehälter für Sozialdiakon*innen im Anhang des Dienst- und Lohnreglements für die ordinierten Dienste (DLD) festgehalten. Unterschieden wird zwischen Gehältern für Sozialdiakon*innen mit und ohne Wohnsitzpflicht.

- Eine Aargauer Sozialdiakonin ist demnach ungefähr im Äquivalent der kantonalen Lohnstufe 11 eingeteilt. Gegenüber den vorgesehenen Einstufungen für eine (wohl gegenüber der Sozialarbeiterin tiefer qualifizierten) Sozialpädagogin erscheint dies als attraktive Einstufung. Gegenüber den vorgesehenen Einstufungen für eine (wohl gegenüber der Sozialpädagogin höher qualifizierten) Sozialarbeiterin bewegt sich diese Einstufung jedoch im unteren Bereich.
Ergebnis: Zu fragen ist, ob die Sozialdiakonie im Kanton Aargau gegenüber Personen mit höheren Bildungsabschlüssen (FH, Uni) attraktive Gehälter bieten kann.
Bot-Impulse:
- Welche Vorgehensweisen nutzen Kantonalkirchen, um ihre Lohnstruktur systematisch zu vergleichen?
- Welche Nebenleistungen (z.B. Weiterbildung, PK) werden als Attraktivitätsfaktoren eingesetzt?
2. Attraktive Stellenpensen
Worum es geht: Sozialdiakonie ist oft Teilzeit: Häufig liegt das Pensum um 50 %, viele Stellen bewegen sich zwischen 50 und 80 %. Das passt für viele – schliesst aber Personen aus, die höhere Pensen brauchen oder wollen.
Hebel für Kirchenleitungen
- Kantonalen Überblick schaffen: Wo sind welche Pensen verbreitet, wo fehlen höhere Pensen?
- Dialog mit Kirchgemeinden fördern: Wie lassen sich höhere Pensen realistisch ermöglichen?
- Aufgabenverteilung neu justieren (z.B. Altersarbeit, Erwachsenenbildung, Jugendarbeit)
- Übergemeindliche Kooperationen fördern: mehrere Gemeinden schaffen gemeinsam tragfähige Stellen
Bot-Frage (Beispiel):
- Welche Modelle übergemeindlicher Kooperationen für sozialdiakonische Stellen gibt es in den Kantonalkirchen?
3. Attraktive Rahmenbedingungen
Worum es geht: Neben Lohn und Pensum entscheiden die Rahmenbedingungen darüber, ob Mitarbeitende bleiben – und ob Berufseinsteiger:innen gut ankommen.
1) Fachliche Förderung
- Weiterbildungsanspruch rechtlich/verbindlich verankern
- Weiterbildung in der Personalführung konsequent berücksichtigen
- Finanzielle Beteiligung an Aus- und Weiterbildungskosten (insb. in den ersten Amtsjahren)
2) Entlastung & Work-Life-Balance
- Studien-/Bildungsurlaube nach definierter Amtsdauer
- Grosszügige Ferienregelungen (wo möglich)
- Care-Tätigkeiten für Angehörige ermöglichen
3) Berufseinstieg stärken
- Begleitprogramme in den ersten Amtsjahren
- Coaching- oder Mentoringangebote für Berufseinsteiger:innen
Bot-Impulse:
- Wie stellen Kantonalkirchen den Weiterbildungsanspruch sicher?
- Welche Begleit-, Coaching- oder Mentoringangebote gibt es für Berufseinsteiger:innen?
4. Ausbildungsstellen ermöglichen
Worum es geht: Praktika und Ausbildungsstellen sind der entscheidende Einstieg ins Berufsfeld. Sie kosten Zeit, Geld und Begleitung – genau das verhindert in einzelnen Kirchgemeinden oft die Umsetzung.
Was Kantonalkirchen beitragen können
- Ausbildung als gemeinsame Aufgabe positionieren (Solidarprinzip statt Einzelbelastung)
- Mitfinanzierungsmodelle und finanzielle Anreize für Kirchgemeinden bereitstellen
- Praxisnahe Manuals, Begleitinstrumente und Standards zur Entlastung anbieten
Bot-Frage (Beispiel):
- Welche Beispiele gibt es, wie Kantonalkirchen Anreize und Unterstützungsformen für die Finanzierung von Praktikums- und Ausbildungsstellen schaffen?
Nächste Schritte
Sie möchten konkrete Vorlagen, Reglemente oder Beispiele aus Kantonalkirchen?
Nutzen Sie den Bot – oder sammeln Sie Ihre Fragen und arbeiten Sie die Themen Schritt für Schritt ab.
