Nationale Palliative Care: Lebensqualität bis zuletzt sichern

1. Dez. 2025

Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider betont am Nationalen Palliative Care Kongress in Biel die Bedeutung von Lebensqualität, Würde und struktureller Stärkung der Palliativversorgung in der Schweiz.

Die Lebensqualität ihrer Mitglieder sei ein Massstab für die Werte einer Gesellschaft, führte Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider am Nationalen Palliative Care Kongress 2025 in Biel aus. Zwar lasse sich Lebensqualität mit objektiven Indikatoren messen, doch spielten subjektive Faktoren wie Wohnen, Bildung, Einkommen, Sicherheit und vor allem die Gesundheit eine ebenso zentrale Rolle. Im Volksmund verdichte sich dies in der Redewendung „Hauptsache Gesund!“, die Baume-Schneider als Ausdruck einer verbreiteten Erwartung an moderne Gesundheitssysteme deutete.

Gleichzeitig erinnerte die Vorsteherin des Eidgenössischen Departements des Innern daran, dass eine gute Lebensqualität auch dann gewährleistet sein müsse, wenn Krankheit bleibt oder eine Heilung nicht mehr möglich ist. Keine Gesellschaft könne eine ideale Lebensqualität für alle garantieren, so die Bundesrätin, aber es müsse ein zentrales Ziel aller Verantwortungsträgerinnen und Verantwortungsträger sein, allen Menschen – unabhängig von Alter, Herkunft, Bildung oder Geschlecht – ein möglichst würdiges Leben zu ermöglichen.

Im Zentrum von Palliative Care stehe die Frage, wie gut ein Mensch bis zuletzt leben könne. „Eine gute Palliative Care fragt nicht, wie lange ein Mensch noch lebt, sondern wie gut er bis zuletzt leben kann“, sagte Baume-Schneider. Palliative Care lindre Schmerzen, Atemnot, Angst und Verzweiflung und nehme den Menschen als Ganzes wahr – mit seiner Geschichte, seinen Beziehungen, seinem Glauben und seinen Zweifeln. Immer gehe es auch um Selbstbestimmung: Gesundheitliche Vorausplanung, offene Gespräche über Werte, Behandlungswünsche, Therapieziele und Patientenverfügungen seien zentrale Elemente einer guten Begleitung.

Besonders hob die Bundesrätin die Situation der Angehörigen hervor, für die die Begleitung unheilbar erkrankter Menschen eine existenzielle Erfahrung sei. Niemand solle diese Phase allein durchstehen müssen. Palliative Care beziehe deshalb Angehörige ausdrücklich ein, stärke und entlaste sie. Wo mobile Palliative-Care-Teams, Hausärztinnen und Hausärzte, Spitex, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, Seelsorgende, Pflegefachpersonen und Angehörige Hand in Hand arbeiteten, entstünden nicht nur medizinische Betreuung, sondern Beziehung und Vertrauen.

Baume-Schneider erinnerte daran, dass sich Bund und Kantone seit mehr als 15 Jahren für Palliative Care engagieren. Nach der nationalen Strategie sei mit der „Plattform Palliative Care“ ein dauerhaftes Gefäss für den Austausch der Akteurinnen und Akteure geschaffen worden. Zudem übernehme die Krankenversicherung seit über zehn Jahren Koordinationsleistungen der Pflege in komplexen Situationen. Gleichzeitig zeigte sie auf, dass der Bedarf an Palliative Care in der Schweiz noch nicht vollständig gedeckt sei und es grosse regionale Unterschiede gebe.

Der Bundesrat habe im Juni 2025 einen Bericht vorgelegt, der insbesondere Finanzierungsfragen in Pflegeheimen und Hospizen als Herausforderung benenne. Die Restfinanzierung durch die Kantone reiche nicht immer aus, um Palliative-Care-Leistungen angemessen zu vergüten. Positiv würdigte Baume-Schneider kantonale Modelle, die hier bereits zusätzliche Mittel bereitstellen, und sprach von einem „begrüssenswerten Engagement“, das andere Kantone anspornen solle.

Mit Blick nach vorne verwies sie auf laufende Reformen: Die bessere Vergütung spezialisierter ambulanter Palliative Care sei gesetzlich in Vorbereitung, die neue ambulante Tarifstruktur Tardoc solle ab 2026 die Entschädigung hausärztlicher Palliativleistungen verbessern. Langfristig werde zudem die Reform eines einheitlichen Finanzierungsmodells für Gesundheitsleistungen (EFAS) voraussichtlich ab 2032 zu einer angemesseneren Vergütung von Pflegeleistungen beitragen, auch im Bereich Palliative Care.

Zum Schluss würdigte die Bundesrätin die Palliative Care als professionelle und zugleich zutiefst menschliche Haltung, als Zusammenspiel von Wissen, Mitgefühl, Empathie und Verantwortung. Sie dankte den anwesenden Fachpersonen aus Medizin, Pflege, Sozialarbeit, Seelsorge und weiteren Bereichen für ihren Beitrag zu einer Kultur des Sterbens in Würde in der Schweiz und betonte, die Stärke einer Gesellschaft zeige sich daran, wie sie ihre Mitglieder bis ans Lebensende begleite.