Neue EKD-Denkschrift: Friedensethik zwischen Gewaltfreiheit und Sicherheitsverantwortung

6. März 2026

Eine neue Denkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland reflektiert Krieg, Abschreckung und Friedenspolitik und aktualisiert das Leitbild des „Gerechten Friedens“.

Die Evangelische Kirche in Deutschland hat mit der Denkschrift „Welt in Unordnung – Gerechter Friede im Blick“ eine neue friedensethische Orientierung vorgelegt. Der Text reagiert auf aktuelle geopolitische Spannungen und will zur Gewissensbildung in Fragen von Krieg, Sicherheit und Frieden beitragen. Die Welt befinde sich in einer Phase zunehmender Konflikte, so die Einordnung: „Die Welt ist in Unordnung“, heisst es in der Einleitung mit Blick auf Kriege, geopolitische Spannungen und den Druck auf demokratische Ordnungen.

Die Denkschrift knüpft an frühere friedensethische Texte der deutschen evangelischen Kirche an und entwickelt das Leitbild des „Gerechten Friedens“ weiter. Dieses versteht Frieden nicht allein als Abwesenheit von Krieg, sondern als Zusammenspiel verschiedener Dimensionen. Dazu zählen der Schutz vor Gewalt, die Förderung von Freiheit, der Abbau von Ungleichheiten sowie ein friedensfördernder Umgang mit gesellschaftlicher Pluralität.

Im Zentrum steht dabei der Schutz vor Gewalt als grundlegende Voraussetzung für alle weiteren Friedensprozesse. Gleichzeitig bleibt Gewaltfreiheit das ethische Leitprinzip christlicher Friedensethik. „Evangelische Friedensethik setzt auf den Primat des Gewaltverzichts“, hält die Denkschrift fest.

Gleichzeitig erkennt der Text an, dass sich politische Entscheidungen in einer konfliktreichen Welt häufig in schwierigen Dilemmata bewegen. Unter bestimmten Umständen könne Gegengewalt ethisch legitim sein, etwa zur Verteidigung gegen einen völkerrechtswidrigen Angriff. Voraussetzung sei jedoch, dass sie als „ultima ratio“ eingesetzt werde und an strenge Kriterien gebunden bleibe.

Ausführlich behandelt die Denkschrift aktuelle Herausforderungen wie hybride Kriegsführung, Cyberangriffe, Terrorismus oder die Folgen der Klimakrise für globale Konflikte. Auch klassische Themen der Friedensethik werden neu bewertet, darunter nukleare Abschreckung, Waffenlieferungen oder die Frage von Wehrpflicht und Dienstverpflichtung.

Dabei verzichtet die Schrift bewusst auf einfache Antworten. Sie verstehe sich als Beitrag zur öffentlichen Diskussion und wolle dazu anregen, politische Entscheidungen verantwortungsvoll abzuwägen. „Die Denkschrift gibt keine einfachen Antworten“, heisst es programmatisch, sondern lade dazu ein, Positionen zu prüfen und das eigene Gewissen zu schärfen.

Die Kirche sieht ihre Rolle dabei nicht in politischen Entscheidungen, sondern in der ethischen Orientierung. Sie wolle das öffentliche Ringen um Frieden begleiten und daran erinnern, dass Friede mehr sei als Sicherheit. Er beginne im Herzen und wachse dort, wo Menschen gemeinsam für Gerechtigkeit und Versöhnung eintreten.