Neue nationale Toolbox soll Suizidprävention besser vernetzen

10. Sep. 2026

Gesundheitsförderung Schweiz baut mit der Swiss Suicide Prevention Toolbox ein digitales Angebot auf, das bewährte Hilfen bei suizidalen Krisen schweizweit zugänglicher machen soll. Anlass ist auch eine Versorgungslücke nach Suizidversuchen.

In der Schweiz sterben laut Gesundheitsförderung Schweiz jährlich rund 1’000 Menschen durch Suizid, Männer rund dreimal häufiger als Frauen. Seit 2022 habe sich die Zahl der Suizide auf einem im europäischen Vergleich hohen Niveau stabilisiert. Die Zahl der Suizidversuche liege deutlich höher.

Besonders kritisch ist die Begleitung nach einem Suizidversuch. Mehr als die Hälfte der Betroffenen wird gemäss der Mitteilung danach nicht durch Fachpersonen betreut. Schwierigkeiten entstehen vor allem beim Übergang von einer stationären Behandlung, etwa in einer Klinik, zu ambulanter Unterstützung im Alltag. Auch Menschen mit Suizidgedanken nehmen professionelle Hilfe häufig nicht oder erst spät in Anspruch.

Um diese Lücke zu verringern, förderte Gesundheitsförderung Schweiz von 2021 bis 2025 vier Projekte zur Suizidprävention: SERO, ASSIP flex, ASSIP Romandie und AdoASSIP. Sie ergänzen bestehende Behandlungen mit kurzen, wissenschaftlich abgestützten Unterstützungsangeboten. Dabei sollen Betroffene besser mit Krisen umgehen können; auch Angehörige und nahestehende Personen werden einbezogen.

Eine externe Evaluation durch das Schweizerische Tropen- und Public-Health-Institut sowie die Hochschule für Soziale Arbeit Freiburg untersuchte die vier Projekte einzeln und gemeinsam. Laut Gesundheitsförderung Schweiz zeigt die Analyse, dass die Ansätze wirksam sind und sich in bestehende Versorgungsstrukturen einfügen lassen. Als wichtig nennt sie die Zusammenarbeit von Fachpersonen, passende Angebote für unterschiedliche Zielgruppen und eine gute Vernetzung.

Darauf aufbauend entsteht 2026 die Swiss Suicide Prevention Toolbox, kurz SuiT. Die geschützte digitale Plattform soll Angebote und Instrumente aus den bisherigen und weiterlaufenden Projekten zusammenführen sowie weitere bewährte Hilfen aus der Schweiz aufnehmen. Vorgesehen sind unter anderem Therapieangebote, Hilfen zur Selbstunterstützung, digitale Anwendungen und Weiterbildungen für Fachpersonen.

Ein KI-gestützter Chatbot soll Nutzerinnen und Nutzer innerhalb der Toolbox bei der Orientierung unterstützen: Er fragt den jeweiligen Bedarf ab und schlägt passende Angebote vor. Nach Angaben von Gesundheitsförderung Schweiz soll SuiT Betroffenen, Angehörigen und Fachpersonen den Zugang erleichtern – unabhängig von Alter, Region oder fachlichem Hintergrund. Damit ist das Vorhaben Teil des Nationalen Aktionsplans Suizidprävention, der die Zahl der Suizide bis 2030 deutlich senken will. Für die soziale und diakonische Arbeit unterstreicht die Mitteilung, wie bedeutsam verlässliche Begleitung und gut erreichbare Hilfe in Krisen sind – gerade auch nach einem Suizidversuch.