Rat für Armutsfragen in der Schweiz nimmt Gestalt an

12. März 2026

Ein neuer Rat soll Menschen mit Armutserfahrung stärker in politische Prozesse einbeziehen und Impulse für die Armutsbekämpfung in der Schweiz setzen.

In der Schweiz entsteht erstmals ein Rat für Armutsfragen, der Menschen mit eigener Armutserfahrung eine stärkere Stimme in der Politik geben soll. Wie das Bundesamt für Sozialversicherungen mitteilt, sind nun die Mitglieder des neuen Gremiums bestimmt worden. «Die Mitglieder des ersten Rates für Armutsfragen in der Schweiz sind nun bekannt», heisst es in der Mitteilung. Ziel des Rates sei es, «die politische Teilhabe von armutserfahrenen Menschen zu stärken und innovative Lösungen zur Prävention und Bekämpfung von Armut zu fördern».

Das Gremium besteht aus zwölf stimmberechtigten Mitgliedern mit eigener Armutserfahrung sowie sechs Fachpersonen, die beratend mitwirken. Durch die Verbindung von praktischer Erfahrung und fachlicher Expertise sollen neue Lösungsansätze entstehen. Gemäss Mitteilung ermöglicht «die Bündelung von Erfahrungswissen und fachlicher Expertise in einem Gremium» die Entwicklung von konkreten Massnahmen, die sowohl an der sozialen Realität orientiert sind als auch den politischen Rahmenbedingungen Rechnung tragen.

Die Zusammensetzung des Rates spiegelt ein breites Spektrum von Lebenssituationen und Perspektiven wider. Mehr als 80 Personen hatten sich um einen Sitz beworben. Die ausgewählten Mitglieder repräsentieren unterschiedliche Regionen der Schweiz sowie verschiedene Altersgruppen, Hintergründe und berufliche Erfahrungen aus Bereichen wie Nichtregierungsorganisationen, Behörden, Politik oder Wissenschaft.

Der Rat wird im Laufe dieses Frühjahrs als unabhängiger Verein auf nationaler Ebene gegründet. Er ist Teil einer umfassenderen Struktur zur Prävention und Bekämpfung von Armut in der Schweiz. Neben dem Rat gehören dazu die Nationale Plattform gegen Armut, ein Armutsmonitoring sowie eine Armutsstrategie, die der Bundesrat gemäss Planung im Jahr 2027 verabschieden will. In diesem Rahmen arbeiten Bund, Kantone, Städte und Gemeinden gemeinsam mit Organisationen der Zivilgesellschaft an der Weiterentwicklung der nationalen Armutspolitik. Der Rat soll dabei insbesondere die Perspektiven von Menschen einbringen, die selbst von Armut betroffen sind.

Zunächst ist eine Pilotphase bis 2028 vorgesehen. In dieser Zeit will das Gremium seine Arbeitsweise entwickeln, Prioritäten festlegen und sein Netzwerk ausbauen. Zudem soll sich der Rat gegenüber Politik, Fachwelt und Öffentlichkeit positionieren. Für die Pilotphase wird er unter anderem von der Ernst Göhner Stiftung, der Christoph Merian Stiftung und dem Migros-Kulturprozent unterstützt. Eine umfassende Evaluation der ersten Phase ist für Mitte 2028 geplant.

Die Idee für den Rat entstand zwischen 2022 und 2025 in einem breit angelegten partizipativen Prozess innerhalb der Nationalen Plattform gegen Armut. Daran beteiligten sich laut Mitteilung mehr als 50 armutserfahrene Personen sowie Fachleute aus verschiedenen föderalen Ebenen, die gemeinsam die Grundlagen und Kriterien für die Mitgliedschaft erarbeiteten.