Die Schweiz erlebt einen deutlichen demografischen Dämpfer: «Die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau erreichte in der Schweiz im Jahr 2024 mit 1,29 ihren niedrigsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen.» So fasst das Bundesamt für Statistik (BFS) seine aktuelle Auswertung zusammen, die sowohl Registerdaten als auch die Erhebung zu Familien und Generationen berücksichtigt. Besonders markant ist der Rückgang bei dritten Kindern. Zwischen 2019 und 2024 nahmen Erstgeburten um 8,5 Prozent und Zweitgeburten um 9,0 Prozent ab, am stärksten jedoch die Drittgeburten mit –13,6 Prozent, gefolgt von vierten und weiteren Kindern mit –5,8 Prozent, so die Mitteilung.
Die langfristige Verschiebung des Gebäralters hält an. 2024 registriert das BFS ein durchschnittliches Alter von 32,4 Jahren bei Müttern und 35,3 Jahren bei Vätern; die höchste rohe Geburtenziffer liegt bei den 30- bis 34-Jährigen, gefolgt von den 35- bis 39-Jährigen. Bemerkenswert: In den letzten zehn Jahren lag die Geburtenhäufigkeit der 35- bis 39-jährigen Frauen durchgehend über jener der 25- bis 29-Jährigen. Diese Verlagerung zu späteren Geburten geht mit stabilen Abständen zwischen den Kindern einher (rund drei Jahre zwischen erstem und zweitem sowie zwischen zweitem und drittem Kind), wie das BFS festhält.
In absoluten Zahlen wurden 2024 78 256 Lebendgeburten registriert – 2,2 Prozent weniger als 2023. Seit 2019 summiert sich der Rückgang damit auf 9,2 Prozent. Ein Rückgang über mehrere Jahre in dieser Grössenordnung sei seit Ende der 1970er Jahre nicht mehr beobachtet worden, heisst es.
Parallel zur sinkenden Fertilität zeigt die Befragung eine veränderte Haltung zum Elternsein. «Der Kinderwunsch ist ebenfalls rückläufig, wobei das Modell mit zwei Kindern für viele junge Menschen nach wie vor das Ideal darstellt.» Bei den 20- bis 29-Jährigen gaben 2013 noch 6 Prozent an, keine Kinder zu wollen; 2023 waren es 17 Prozent. Auch bei den 30- bis 39-Jährigen stieg der Anteil derjenigen, die kinderlos bleiben möchten, von 9 auf 16 Prozent. Als Treiber wirken unter anderem finanzielle Erwägungen, Arbeitsbedingungen und Betreuungsmöglichkeiten.
Die Erwartungen an die Auswirkungen eines (weiteren) Kindes haben sich verschoben. «Bei den Berufsaussichten erwarteten 51% negative Folgen.» Zugleich sank die Erwartung, dass ein Kind die Lebensfreude erhöht, während skeptische Einschätzungen zunahmen. Faktoren wie die Aufteilung von Hausarbeit und Kinderbetreuung haben in den letzten Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen, insbesondere bei Frauen. Insgesamt deutet das BFS darauf hin, dass der beobachtete Rückgang sowohl mit Aufschubentscheidungen als auch mit einem vermehrten Verzicht auf Familiengründung zusammenhängen könnte. Vorläufige Monatsdaten sprechen dafür, dass sich der Trend 2025 fortsetzt.
