SRK-Ambulatorium für Folter- und Kriegsopfer begeht 30-jähriges Bestehen

22. Sep. 2025

Seit 1995 bietet das SRK traumatisierten Geflüchteten spezialisierte Therapie – heute ist es Teil eines landesweiten Netzwerks von fünf Zentren.

Das Ambulatorium für Folter- und Kriegsopfer des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) begeht sein 30-jähriges Jubiläum. Gegründet 1995 als erste Einrichtung dieser Art in der Schweiz, reagierte es auf die wachsende Zahl geflüchteter Menschen, die schwerste Gewalterfahrungen und Traumata mitbrachten, so die Mitteilung. Seither arbeiten Therapeutinnen und Therapeuten, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter sowie interkulturell Dolmetschende in einem Teamansatz, der Stabilisierung, Alltagshilfe und psychotherapeutische Behandlung verbindet. In drei Jahrzehnten hat das Ambulatorium laut SRK Tausende traumatisierte Patientinnen und Patienten begleitet; die Einrichtung gilt als Wegbereiterin für eine interkulturell fundierte Traumatherapie in der Schweiz. Heute ist sie in das Netzwerk «support for torture victims» eingebunden, dem landesweit fünf spezialisierte Therapiezentren angehören.

Die Mitteilung beschreibt die Erfahrungen vieler Patientinnen und Patienten als tiefgreifend erschütternd: Politische Verfolgung, Krieg, Flucht, Inhaftierung oder Folter sprengten häufig «jede Vorstellung von Normalität» und könnten in einen Zustand fortwährender Traumatisierung führen. Das Ambulatorium bietet deshalb eine sorgfältige Diagnostik, die posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) und andere Traumafolgen frühzeitig erfasst. Besonders im Fokus stehen Kinder und Jugendliche: Fast die Hälfte der Behandelten ist unter 26 Jahre alt. Eine frühe, kontinuierliche Unterstützung sei entscheidend, weil sich unbehandelte Belastungen verschärfen und chronisch werden könnten, heisst es weiter.

Ein persönliches Zeugnis verdeutlicht laut SRK die Bedeutung des Angebots: Ein 27-jähriger Afghane schreibt dem Team: «In den schwersten Zeiten meines Lebens waren Sie für mich da – ohne Ihre Hilfe wäre ich heute vielleicht nicht mehr am Leben.» Solche Rückmeldungen spiegeln den Anspruch, Patientinnen und Patienten nicht nur psychotherapeutisch zu begleiten, sondern auch in ihrem Alltag zu stärken. Zugleich verweist die Mitteilung auf die internationale Herkunft vieler Betroffener: Derzeit kommen zahlreiche Patientinnen und Patienten aus Afghanistan, der Türkei, Syrien, Sri Lanka, Iran und Irak. Das Ambulatorium versteht sich dabei als Bindeglied zwischen spezialisierten Therapien und den Herausforderungen der Integration, etwa in Schule, Ausbildung oder Arbeit, die in enger Abstimmung mit weiteren Fachstellen adressiert werden.

Mit seinem Jubiläum rückt das SRK die Pionierarbeit des Ambulatoriums in den Blick. Die Einrichtung habe in den letzten 30 Jahren Standards für eine kultursensible Traumatologie mitgeprägt und zugleich Kontinuität in der Versorgung geschaffen. Angesichts anhaltender Konflikte weltweit bleibe die Nachfrage nach qualifizierter Hilfe hoch – und mit ihr die Aufgabe, Betroffene verlässlich zu stabilisieren, ihre Selbstwirksamkeit zu stärken und ihnen Perspektiven in der Schweiz zu eröffnen.