Steigende Ölpreise infolge des Konflikts im Nahen Osten setzen die internationale humanitäre Hilfe zunehmend unter Druck. Wie die deutsche Organisation Save the Children mitteilt, treiben die höheren Kosten für Transport, Treibstoff sowie lebenswichtige Güter die Ausgaben weltweit in die Höhe und schränken damit die Unterstützung für Kinder in Krisengebieten spürbar ein.
Die Folgen seien konkret und unmittelbar: Weniger Nahrungsmittel zur Behandlung schwerer Mangelernährung, eingeschränkte medizinische Versorgung und geringere Unterstützung für Familien auf der Flucht vor Gewalt und Vertreibung, heisst es gemäss Mitteilung.
Besonders deutlich wird der Zusammenhang laut der Organisation bei den Kostensteigerungen: Jeder Anstieg des Ölpreises um fünf US-Dollar pro Barrel führe zu monatlichen Mehrkosten von rund 340’000 US-Dollar für Transport, Treibstoff, Lebensmittel und medizinische Hilfsgüter. Diese Summe entspreche in etwa den Kosten für die Unterstützung von fast 40’000 Kindern pro Monat.
„Jeder zusätzliche Dollar, den wir wegen steigender Ölpreise ausgeben müssen, fehlt bei den Kindern, die auf unsere Hilfe angewiesen sind. Wir stehen unter massivem Druck: Während Hilfsbudgets gekürzt werden, steigen gleichzeitig die Kosten für jede Lieferung“, sagt Willem Zuidema, Leiter der globalen Lieferketten und Logistik bei Save the Children.
Sollten die Ölpreise weiter steigen, könnten sich die Auswirkungen noch verschärfen. Für das Jahr 2026 sei ursprünglich ein Preis von rund 60 US-Dollar pro Barrel erwartet worden, tatsächlich liege dieser bereits deutlich höher. Im Falle eines Anstiegs auf 130 US-Dollar pro Barrel prognostiziert die Organisation Mehrkosten von über 33 Millionen US-Dollar für die Lieferung humanitärer Hilfe, was einem Zuwachs von rund zwölf Prozent entspreche.
In einzelnen Krisenregionen sind die Auswirkungen bereits sichtbar. Im Jemen seien die Transportkosten teils um mehr als 20 Prozent gestiegen, in Somalia hätten sich die Preise für Grundnahrungsmittel um rund 20 Prozent erhöht. Gleichzeitig komme es zu Verzögerungen bei Hilfslieferungen, etwa durch unterbrochene Transportrouten. Lebenswichtige medizinische Güter für mindestens 410’000 Kinder – unter anderem im Sudan, in Afghanistan und im Jemen – erreichten derzeit verspätet ihr Ziel, so die Mitteilung.
Vor diesem Hintergrund fordert Save the Children die Konfliktparteien auf, den Zugang zu humanitärer Hilfe gemäss internationalem Recht sicherzustellen. „Wenn Treibstoff teurer wird, wird jede einzelne Lieferung teurer – von Lebensmitteln bis zu Medikamenten. Das bedeutet: Wir können weniger Kinder erreichen“, so Zuidema weiter.
