Studie fordert geschlechtergerechte Gestaltung der Digitalisierung

15. Juli 2026

Eine schweizweite Studie zeigt Risiken digitaler Ungleichheit auf und empfiehlt verbindliche Vorgaben für künstliche Intelligenz, Bildung, Innovation und Arbeitswelt.

Die Geschlechtergleichstellung soll zu einem tragenden Prinzip der digitalen Transformation in der Schweiz werden. Dies empfiehlt eine neue Studie, die im Auftrag der Bundeskanzlei und des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Frau und Mann erstellt wurde. Die Untersuchung bezeichnet sich als erste schweizweite Querschnittsanalyse, die Geschlecht und Digitalisierung gemeinsam betrachtet.

Die Studie kommt zum Schluss, «dass die Geschlechtergleichstellung kein Randthema ist, sondern eine zentrale Voraussetzung für eine inklusive, souveräne und grundrechtskonforme digitale Transformation». Die Autorinnen sehen für die Schweiz angesichts rascher regulatorischer Entwicklungen und der wachsenden Aufmerksamkeit für algorithmische Diskriminierung die Möglichkeit, international eine prägende Rolle einzunehmen.

Insgesamt formuliert die Studie sechs strategische Prioritäten. So sollen Geschlechteraspekte ausdrücklich in die digitale Souveränität der Schweiz integriert werden. Bereits bei der Entwicklung digitaler Systeme seien mögliche Auswirkungen auf die Geschlechtergleichstellung und die Grundrechte sowie Verzerrungen in Daten und Algorithmen systematisch zu untersuchen. Gleichzeitig soll der Rechtsrahmen erweitert werden, damit er auch algorithmische Diskriminierung erfasst.

Eine weitere Empfehlung betrifft die Innovationspolitik. Forschung, Open-Source-Technologien und Projekte zur Förderung der Gleichstellung sollen stärker unterstützt werden. Vorgeschlagen wird zudem ein nationales Kompetenzzentrum «Digitalisierung und Geschlecht». Dieses soll Akteurinnen und Akteure begleiten, bewährte Verfahren vermitteln und eine verantwortungsvolle technologische Entwicklung fördern.

Handlungsbedarf sieht die Studie auch in Bildung und Arbeitswelt. Sie empfiehlt einen nationalen Referenzrahmen für digitale Kompetenzen sowie zusätzliche Aus- und Weiterbildungs-, Umschulungs- und Mentoringangebote. Frauen sollen entlang der gesamten digitalen Wertschöpfungskette besser vertreten sein – von der Konzeption technischer Systeme bis zu Leitungs- und Entscheidungsfunktionen. Rekrutierungsverfahren und Organisationsstrukturen müssten zudem an die Veränderungen durch Automatisierung und künstliche Intelligenz angepasst werden.

Gestärkt werden sollen auch Unternehmerinnen in der digitalen Wirtschaft. Dazu nennt die Studie einen verbesserten Zugang zu Finanzierung, beruflichen Netzwerken und geeigneten Finanztechnologien. Insbesondere von Frauen geführte kleine und mittlere Unternehmen sollen gezielt unterstützt werden.

Für die Steuerung der Gleichstellungspolitik fordert die Untersuchung langfristig vergleichbare, nach Geschlecht aufgeschlüsselte Daten. Ausserdem empfiehlt sie öffentliche Register algorithmischer Systeme, regelmässige Prüfungen auf Verzerrungen und mehr Transparenz bei KI-Modellen und den verwendeten Daten. Vollständig automatisierte Entscheidungen sollen in sensiblen Bereichen eingeschränkt werden.

Die Studie hält fest: «Gleichzeitig soll sichergestellt werden, dass diese Technologien langfristig dazu beitragen, Geschlechterungleichheiten abzubauen, statt sie zu verstärken.» Das Thema «Digitalisierung und Geschlecht» sollte deshalb gemäss Untersuchung dauerhaft sowohl in der Gleichstellungsstrategie 2030 als auch in der Strategie Digitale Schweiz verankert werden.