Studie zur Gleichstellung: Hohe Zustimmung, aber anhaltende Gewaltprobleme

4. Mai 2026

Eine repräsentative Umfrage zeigt: Die Mehrheit sieht Gleichstellung als zentral, gleichzeitig berichten viele Menschen von Erfahrungen mit Gewalt oder Grenzüberschreitungen.

Eine neue, repräsentative Umfrage des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Frau und Mann (EBG) zeichnet ein differenziertes Bild der Wahrnehmung von Gleichstellung und Gewalt in der Schweiz. Befragt wurden 1’564 Personen ab 16 Jahren in allen Landesteilen, um eine Ausgangslage für die nationale Präventionskampagne «Gleichstellung verhindert Gewalt» zu schaffen.

Die Ergebnisse zeigen, dass Gleichstellung in der Bevölkerung einen hohen Stellenwert hat. Laut Bericht erachten 85 Prozent der Befragten Gleichstellung als wichtig für die Zukunft der Gesellschaft, während 63 Prozent ihr auch persönlich Bedeutung beimessen. Gleichzeitig wird deutlich, dass diese Zustimmung nicht überall mit erlebter Gleichstellung einhergeht. Besonders im Arbeitskontext und in der Vereinbarkeit von Beruf und Familie sehen viele Befragte weiterhin Handlungsbedarf, gemäss Mitteilung.

Auch das Thema Gewalt wird klar als gesellschaftliches Problem wahrgenommen. Im Durchschnitt bewerten die Befragten dessen Bedeutung mit 6,3 von 10 Punkten. Im eigenen Umfeld wird Gewalt jedoch deutlich seltener verortet, was laut Bericht auf eine «starke Externalisierung» hinweist.

Gleichzeitig zeigt die Studie, dass Erfahrungen mit Gewalt weit verbreitet sind. Eine knappe Mehrheit der Bevölkerung hat bereits selbst Gewalt erlebt oder entsprechende Situationen im Umfeld beobachtet. Besonders häufig genannt werden psychische und körperliche Gewalt sowie sexuelle Belästigung. Frauen berichten dabei deutlich häufiger von eigenen Erfahrungen als Männer, so die Untersuchung.

Auffällig ist zudem, dass Unsicherheit ein zentrales Hindernis im Umgang mit Gewalterfahrungen darstellt. Viele Betroffene handeln nicht, weil sie befürchten, die Situation könnte sich verschlimmern, oder weil sie nicht wissen, an wen sie sich wenden können. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse, dass ein Teil der Bevölkerung weiterhin vereinfachende oder schuldzuweisende Deutungen von Gewalt vertritt.

Die Studie unterstreicht schliesslich die Bedeutung von Prävention. Eine grosse Mehrheit sieht wirksame Ansätze vor allem in besserer Kommunikation, emotionaler Kompetenz sowie in der Gleichstellung von Frauen und Männern. Informationskampagnen werden von rund drei Vierteln der Bevölkerung als wichtig erachtet.

Die vorliegenden Ergebnisse dienen als sogenannte Nullmessung und sollen künftig ermöglichen, die Wirkung der nationalen Kampagne systematisch zu beurteilen, so die Mitteilung des EBG.