Studierende in der Schweiz: Finanzielle Sorgen verschärfen psychische Belastung

24. Nov. 2025

Eine neue Auswertung des Bundesamts für Statistik zeigt mehr Depressionen unter Studierenden. Der Verband der Schweizer Studierendenschaften warnt vor wachsender sozialer Ungleichheit.

Der Verband der Schweizer Studierendenschaften (VSS) hält fest: Die jüngste Erhebung zur sozialen und wirtschaftlichen Lage der Studierenden des Bundesamts für Statistik zeige, dass Studieren in der Schweiz zunehmend mit psychischer und sozialer Überlastung verbunden ist. In seiner Medienmitteilung spricht der VSS von einer Entwicklung, die die Chancenungleichheit im Hochschulzugang verschärfe. «Studieren in der Schweiz wird zunehmend zur sozialen und psychischen Belastungsprobe», heisst es in der Mitteilung.

Gemäss Mitteilung leiden inzwischen 29 Prozent der Studierenden an Symptomen mittlerer bis schwerer Depressionen, gegenüber 23 Prozent im Jahr 2020. Besonders stark betroffen sind Studentinnen, von denen 36 Prozent entsprechende Symptome angeben. Noch höher ist der Anteil bei Studierenden, die grosse bis sehr grosse finanzielle Schwierigkeiten melden: In dieser Gruppe zeigen 46 Prozent Anzeichen einer mittleren bis schweren Depression.

Die Zahlen machen laut VSS deutlich, wie eng psychische Gesundheit und finanzielle Lage zusammenhängen. 72 Prozent der Studierenden arbeiten neben dem Studium, fast ein Drittel davon mit einem Pensum von über 40 Prozent. Gleichzeitig sind 81 Prozent auf finanzielle Unterstützung ihrer Eltern angewiesen – eine Hilfe, die tendenziell abnehme. Besonders betroffen sind Studierende, deren Eltern keinen Hochschulabschluss haben: 31 Prozent von ihnen kämpfen mit finanziellen Schwierigkeiten, gegenüber 24 Prozent im Jahr 2020.

Trotz dieser Belastungen erhalten nur 11 Prozent der Studierenden Stipendien oder Darlehen, wie der Verband hervorhebt. Dies setze einen rückläufigen Trend fort und sei aus Sicht des VSS zu wenig, um soziale Ungleichheiten im Hochschulbereich abzufedern. Neben einer stärkeren Sensibilisierung sowie dem Ausbau professioneller Beratungsangebote für psychische Gesundheit an den Hochschulen fordert der Verband deshalb Anpassungen im Stipendienbereich, damit der Zugang zum Studium nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängt.

Wie zugespitzt die Lage ist, macht Co-Präsidentin Julia Bogdan deutlich. Sie hält gemäss Mitteilung fest, immer mehr Studierende gerieten finanziell und psychisch an ihre Grenzen und wer heute studiere, brauche neben Talent vor allem finanzielle Reserven. Ohne familiären Rückhalt bestehe ein erhebliches Risiko, psychisch und finanziell nicht mehr mithalten zu können. Der VSS verlangt eine Revision des Stipendienkonkordats mit einheitlichen, kantonsübergreifenden Kriterien und tieferen Zugangshürden sowie die Umsetzung dieser Mindeststandards in allen Kantonen.

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