Im zweiten Quartal 2024 waren in der Schweiz 1,9 Millionen Menschen teilzeiterwerbstätig. Das entspricht einer Quote von 38,7 Prozent und damit einem Plus von 13,3 Prozentpunkten seit 1991, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) mitteilt. Besonders stark verbreitet ist Teilzeitarbeit bei Frauen, im ordentlichen Rentenalter sowie in Teilen des Dienstleistungssektors. Der Abstand zwischen den Geschlechtern bleibt markant: Erwerbstätige Frauen arbeiten 2,8-mal häufiger Teilzeit als Männer (58,4 gegenüber 21,1 Prozent), wobei die Zunahme seit 1991 bei Männern dynamischer ausfiel. «Teilzeit ist bei Frauen fast dreimal häufiger als bei Männern», so die Mitteilung.
Mit fortschreitendem Alter steigt die Teilzeitquote an: 15- bis 24-Jährige arbeiten zu 28,2 Prozent in reduziertem Pensum, bei den 65-Jährigen und Älteren sind es 86,3 Prozent. Differenziert nach Beschäftigungsgrad zeigt sich, dass Männer innerhalb der Teilzeit häufiger in hohen Teilzeitpensen (80–89 Prozent) arbeiten als Frauen. Deutliche Unterschiede bestehen auch zwischen Branchen: Besonders verbreitet ist Teilzeit in «Erziehung und Unterricht», im «Gesundheits- und Sozialwesen» sowie bei der «Erbringung von sonstigen Dienstleistungen», wo die Quoten um 60 Prozent liegen. Deutlich seltener ist Teilzeit in der Industrie und im Bau. Diese Muster bestätigt die Grafik der BFS-Publikation auf Seite 4.
Die Familiensituation prägt das Erwerbsverhalten stark – vor allem bei Frauen. «Drei Viertel der erwerbstätigen Mütter arbeiten Teilzeit», heisst es in der Medienmitteilung. Von Müttern mit jüngstem Kind im Haushalt arbeiten 74,9 Prozent in Teilzeit; bei Vätern in gleicher Situation liegt der Anteil bei 14,3 Prozent. Mit zunehmendem Alter des jüngsten Kindes sinkt die Teilzeitquote tendenziell: Bei Frauen erreicht sie ihren Höchstwert (79,2 Prozent), wenn das jüngste Kind zwischen vier und zwölf Jahren alt ist; bei Vätern nimmt sie von 16,4 auf 10,0 Prozent ab, sobald das jüngste Kind in die Teenagerjahre kommt.
Auch Unterbeschäftigung – also der Wunsch nach einem höheren Pensum bei verfügbarer Kapazität – trifft Frauen deutlich häufiger. «Frauen sind knapp dreimal häufiger unterbeschäftigt als Männer», hält das BFS fest. 2024 waren 254 000 Personen unterbeschäftigt, was einer Quote von 5,0 Prozent entspricht. Bei Frauen lag sie bei 7,5 Prozent, bei Männern bei 2,8 Prozent. Unterbeschäftigte Männer wünschen öfter den Wechsel in eine Vollzeittätigkeit, während unterbeschäftigte Frauen häufiger eine Erhöhung ihres Teilzeitpensums anstreben.
International nimmt die Schweiz eine Spitzenposition ein. Nach der internationalen Definition (unter 100 Prozent Pensum) arbeiten hierzulande 41,5 Prozent Teilzeit – ein Wert, der 2024 nur von den Niederlanden (42,8 Prozent) übertroffen wurde. In den Nachbarländern ist Teilzeit unterschiedlich verbreitet: In Österreich liegt die Quote bei 31,3 Prozent, in Deutschland bei 30,6 Prozent, in Frankreich bei 17,5 Prozent und in Italien bei 17,0 Prozent. «Schweiz liegt im europäischen Vergleich an zweiter Position hinter den Niederlanden», fasst die Mitteilung zusammen. Die Publikation zeigt zudem: In allen europäischen Ländern – mit Ausnahme Rumäniens – arbeiten Frauen deutlich häufiger Teilzeit als Männer.
Ein weiterer Befund betrifft Führungsverantwortung: Personen in leitenden Funktionen arbeiten deutlich seltener Teilzeit als Beschäftigte ohne Vorgesetztenfunktion (24,0 gegenüber 45,5 Prozent). Auch sehr tiefe Pensen sind in der Führung seltener. Gleichzeitig üben 15 Prozent der Teilzeitbeschäftigten mehr als eine Erwerbstätigkeit aus, bei Vollzeitbeschäftigten sind es 3,6 Prozent.
Die Ergebnisse beruhen auf der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (SAKE), die seit 1991 die Struktur und Entwicklung der Erwerbsbevölkerung erfasst und internationale Vergleichbarkeit sicherstellt. Die aktuelle Auswertung «Teilzeiterwerbstätigkeit in der Schweiz 2024» bündelt Trends nach Geschlecht, Alter, Nationalität, Berufs- und Wirtschaftsbereichen sowie die Gründe für Teilzeitarbeit – von Kinderbetreuung über Ausbildung bis zu persönlichen Verpflichtungen.
